Kann eine vergrößerte Prostata zu einer Reizblase führen?

Bei Prostatavergrößerung muss die Blase den Urin mit vermehrter Muskelkraft durch die im Prostata-Bereich verengte Harnröhre pressen.

Dieser erhöhte Druck führt zu einer erheblichen Belastung der Blase, deren Muskulatur hochtrainiert wird („Balkenblase“) und zugleich mit „Reizblasenbeschwerden“ wie häufigem, nächtlichem und starkem Harndrang reagiert.

So kann die Prostatavergrößerung wahrscheinlich als die häufigste Ursache der Überaktiven Blase des Mannes gelten. Therapeutisch wird eher nicht die Überaktivität der Blase behandelt, sondern versucht, die Prostata mit Medikamenten oder nötigenfalls mit einer Operation weitzustellen, damit wieder mehr Urin durch die zuvor eingeengte Harnröhre abfließen kann. Gerne wird aber auch eine Kombinationstherapie vorgenommen: mit Medikamenten wird die Harnröhre erweitert, mit sog. „Anticholinergika“ die Blase gedämpft.

Die Angst vor einer Harnsperre, die früher von dem Einsatz von Anticholinergika absehen ließ, ist – so legen moderne Studien nahe – fast zu vernachlässigen. Unter der Kombination eines Alpha-Blockers mit Trospiumchlorid bei der Behandlung von 4000 Männern ließen sich die Harnverhaltungen an den Fingern einer Hand abzählen.

2015-10-12T12:21:35+00:0012. Oktober 2015|

Über den Autor:

Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Herr Prof. Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.