Reizblase – Frage von Sofiaaa

Rückfrage von Sofiaaa (10.08.2018):

Meine Urologin selbst meinte, dass der Ultraschall zusammen mit Urintests ausreicht, damit sie die Reizblase erkennt, auch auf Nachfrage, ob andere Untersuchungen nicht vielleicht sinnvoll wären, blieb es dabei.

Als Kleinkind hatte ich 2-3 Jahre ca. jeden Monat eine Blasenentzündung, dann jahrelang nicht, und mit der letzten Entzündung Sommer 2017 fingen das ständige Klogerenne dann an. Ausserdem habe ich PCO, weshalb ich seit einem halben Jahr die Pille nehme (Blasenbeschwerden waren schon davor).

Es ist nur langsam wirklich nervenaufreibend, weil es im Alltag natürlich zeitweise enorm einschränkt.

Vielen Dank für ihre Antwort 🙂

Antwort von Prof. Wiedemann:

Liebe Sofiaaa,

bzgl. der erforderlichen Maßnahmen bin ich anderer Meinung als Ihre Urologin. Gerade die Vorgeschichte mit den Blasenentzündungen als Kind „riecht“ nach einer detektierbaren Ursache.

Mit freundlichen Grüßen,
Prof. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

Ursprüngliche Frage von Sofiaaa:

Guten Morgen erst mal. Ich bin weiblich, 16 Jahre und leide seit 1 1/2 Jahren an einer Reizblase. Ich habe jetzt von meiner Urologin schon 5 verschiedene Tabletten bekommen, teilweise haben sie gewirkt, aber immer nur eine begrenzte Zeit. Gerade nehme ich Tovedeso und bis zu meiner Periode haben sie super gewirkt, kein Vergleich zu vorher. Vor der letzten Periode gingen die Probleme aber wieder los, hielten auch an, und sind jetzt 3 Tage später immer noch präsent. Es schränkt einfach ziemlich ein. Jetzt meine Frage, kann das mit der Periode zusammenhängen? Und vor allem, wird die Wirkung der Tabletten demnächst wieder eintreten, oder ist durch die erneute Reizung jetzt wieder alles wie vor den jetzigen Tabletten?

Antwort von Prof. Wiedemann:

Liebe Sofiaaa,

eine „Reizblase“ bei einer jungen Frau ist ungewöhnlich. Der Begriff beschreibt ja erst einmal nur Symptome mit häufigem, nötigem und verstärktem Harndrang und darf erst benutzt werden, wenn alle in Frage kommenden Ursachen ausgeschlossen wurden. Dazu gehört z. B. der Ausschluss einer Infektion, eines Steines usw.

Interessant ist der Hinweis auf die Regel. Selten kann eine „Reizblase“ auch durch eine Endometriose, d. h. versprengtes Gebärmutterschleimhautgewebe verursacht sein, das dann in der Blase oder der Harnröhre sitzend auch blutet und Beschwerden macht.

Im Zyklus der Frau gibt es aber auch natürliche Schwankungen, die auch die Blase „spürt“. Viele Frauen sagen, dass sich in der Zeit vor oder in der Periode das Wasserlassen verändert.

Meine Frage wäre, ob Sie ausreichend untersucht sind – dazu würde ich

  • Ultraschall,
  • Spiegelung und
  • „Urodynamik“ (PC-gestützter Blasenfunktionstest)

zählen. Bevor weitere Medikamente „ausprobiert“ werden, würde ich diese Untersuchungen empfehlen.

Mit freundlichen Grüßen,
Prof. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

2018-09-11T17:39:41+00:0010. September 2018|

Über den Autor:

Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Herr Prof. Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.