Seit ein paar Wochen nehme ich für meine Überaktive Blase Oxybutynin ein und meine, schlechter zu schlafen. Kann das sein?

Dies kann sehr wohl sein. Oxybutynin gehört – wie alle Medikamente zur Behandlung der Überaktiven Blase zur Gruppe der sog. „tertiären Amine“; chemisch anders strukturiert ist nur Trospiumchlorid, das ein „quartäres Amin“ darstellt.

Tertiäre Amine, also auch das von Ihnen eingenommene Oxybutynin-Präparat können im Gehirn anfluten und hier den REM-Schlaf unterdrücken. Das ist der Schlafanteil, der durch schnelle Augenbewegungen und Träume gekennzeichnet ist und – wie wir heute wissen – für die Erholsamkeit des Schlafes besonders wichtig ist.

Untersucht man im Schlaflabor (s. Abb.) wie Konstanze Diefenbach den Anteil des REM-Schlafes am Gesamtschlaf, stellt man für Oxybutynin (rosa Säule) einen drastischen Abfall des REM-Schlafes fest; unter Trospiumchlorid kommt es zu einem unwesentlichen Abfall (blaue Säule).  Diese Untersuchung wurde an gesunden jungen Menschen vorgenommen – vermutlich ist die Schlafstörung unter Oxybutynin bei Älteren noch stärker ausgeprägt.

Schlaflaboruntersuchung – Oxybutynin reduziert den Anteil des erholsamen REM-Schlafes am Gesamtschlaf

Als Ausweg für die Behandlung der Überaktiven Blase würde sich die Einnahme von Trospiumchlorid anbieten, das nicht im Gehirn ankommt und daher keine Schlafstörungen auslösen kann.

2017-06-26T14:05:03+00:002. Juni 2016|

Über den Autor:

Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Herr Prof. Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.