Megazystis – Frage von Ameise

Mein 3 jähriger Sohn hatte u.a. eine Megazystis während der Schwangerschaft. Es wurde ein Shunt gelegt und die Blase konnte sich so entleeren. Alle anderen Probleme haben wir in den Griff bekommen, nur leider die viel zu große Blase nicht. Sie ist laut Arzt ziemlich schlaff und er kann sie selber nicht komplett entleeren. Das hat nun zu diversen Harnwegsinfekten geführt.

Gerade liegt er im KH wegen einem sehr schwierigen Infekt. Er hat einen Katheter bekommen und nach 1 1/2 Stunden waren schon 1,3 l trübe Brühe draußen. Bei einem 3jährigen! Als weitere Therapie wurde vorgeschlagen über einen unbestimmten Zeitraum sollen wir ihm einen Katheter legen. Aber er hatte die ersten drei Lebensmonate einen Katheter, bis die Urethralklappe weggelasert worden war, einen Katheter und da hat sich die Blase ja auch nicht verkleinert. Deshalb sehe ich jetzt auch keine Erfolgschancen mit dieser Therapieform. Aber irgendwas muss passieren, sonst sind wir ständig mit so einem Infekt im KH und die Nieren werden auch jedes Mal aufgestaut, was die auch nicht ewig mitmachen werden. Wissen Sie vielleicht noch eine andere Therapieform oder jemanden an den ich mich wenden kann? Denn das Problem Megazystis gibts anscheinend normalerweise nur während der Schwangerschaft. Aber danach? Wer kann uns da weiterhelfen?

Antwort von PD Dr. Wiedemann:

das Problem ist komplex und langwierig. Am ehesten haben wirklich die Urethralklappen zu einem Abflusshindernis und dieses wiederum zu einer Überdehnung der Blase (Megazystis) geführt.

In der Tat ist hier der „intermittierende Katheterismus“ die Therapie der Wahl. Dabei wird die Blase über einen von außen kurzfristig eingelegten Katheter künstlich entleert – am ehesten durch die Eltern, später durch den Betroffenen selbst. Diese Therapieform ist nicht mit einem Dauerkatheter, der nach Operationen über Wochen verbleibt zu vergleichen – ein spezieller, gleitfähiger Katheter wird eingeführt, die Blase entleert und der Katheter wieder entfernt und entsorgt.

Nur so wird es gelingen, Infekte fernzuhalten und eine Nierenschädigung zu vermeiden. Mit der Zeit wird es sich zeigen, ob sich die Blase wieder erholt und selbst entleeren kann. Ist Ihr Sohn Jugendlicher oder Erwachsener, kann mit speziellen Untersuchungen geschaut werden, ob es bei dieser Therapieform bleibt oder ob andere Methoden in Frage kommen (sacrale Neuromodulation). Bis dahin ist aber der intermittierende Selbst- oder Fremdkatheterismus die unabdingbare Voraussetzung, eine weitere Schädigung des Harntraktes zu verhindern. Ansprechpartner sind (Uni-)kliniken mit Kinderurologie.

Gruß

Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

2014-08-04T10:54:32+00:004. August 2014|

Über den Autor:

Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Herr Prof. Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.