Reizblase – Fragen von Angsthase

Rückfrage 5 von Angsthase (12.8.2014):

Danke für Ihre ausführlichen guten Ratschläge.

Nur habe ich ein Problem, es gibt wenig Ärzte, die alle diese Untersuchungen auch machen.

Gestern war ich beim Urologen, für 3 Monate bekomme ich jetzt Betmiga 50mg , dann weiter bis zu einem halben Jahr. Ich frage danach, ob ich das Medikament für immer nehmen müsste, nein, ein Versuch es dann mal auszusetzen ist angebracht. Ich kann den Arzt nicht einfach wechseln, das Rezept brauche in vom Facharzt. Hausärzte dürfen dieses Medikament noch nicht verordnen. Meine Frage, kann ich trotz der Einnahme des Medikaments die Ursache meiner Reizblase in einer Spezialsprechstunde in einer Klinik feststellen lassen. Es ist für mich wirklich schwierig das richtig zu unternehmen.

Danke für Ihre Antwort im voraus.

Antwort von PD Dr. Wiedemann:

Lieber Angsthase,

auch dafür brauchen Sie eine Überweisung oder Einweisung. Da alle Untersuchungen ambulant durchgeführt werden können, macht also die Klinik wenig Sinn. Ich rate zu einem offenen Gespräch mit dem Facharzt.

PS: Auch Hausärzte dürfen Inkontinenzmedikamente verordnen, tun dies aber nur selten, weil sie natürlich auch ein „Budget“ haben.

Gruß

Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

Rückfrage 4 von Angsthase (11.8.2014):

Noch eine Frage bitte, da ich jetzt das neue Medikament Betmida 50mg bereits 3 Wochen einnehme, es wirkt sehr gut, Das Leben macht wieder Spaß. Die Nebenwirkungen sind derzeit nur wenig (1x nachts) Munddrockenheit und nur morgens geringe Kopfschmerzen. Ich habe keinen hohen Blutdruck.Sollte ich trotzdem die genaue Ursache weiter untersuchen lassen?. Eine Vaginalcreme und Zäpfchen habe ich auch schon vorher versucht. Die Sonde habe ich nicht vertragen (Blutung).

Das Betmiga kann ich wie von Ihnen empfohlen, etwas später auf 25 mg reduzieren, wenn der Arzt es empfiehlt.

Die Sache ist für mich sehr ernst, meine Nerven sind wieder viel besser, vielen herzlichen Dank für Ihre Mühe und Zeitaufwand.

Antwort von PD Dr. Wiedemann:

Sehr geehrter Angsthase,

aus meiner Sicht ist das Auffinden einer möglichen Ursache unbedingt erforderlich, weil nur dann diese selbst behandelt werden kann. Darunter ist zu verstehen: Urinkultur, Urodynamik, Blasenspiegelung, gyn. Untersuchung, und ggf. mehr.

Gruß

Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

Rückfrage 3 von Angsthase (6.8.2014):

Ihre genauen Information habe ich mir ganz genau durchgelesen. Es wurde bei mir bereits in einer großen KLinik alle Voruntersucheungen unternommen. Der Prof. meinte, das kommende Medikament jetzt Betmiga könnte mir helfen.

Hormonspiegel wurde von der Gynokologin im Blut gemessen kein Hormonmangel). Scheidensalben alles versucht.

Nachts muss ich so gut wie gar nicht auf die Toilette. Nur das Gefühl war – jetzt durch die Tablette -natürlich nicht- Ich muss gleich wieder gehen.

Meine Frage, sollte ich trotz der Tablette Beckenbodentraining auf alle Fälle machen, Toilettentraining machen, Granberrey und Kürbiskerne unterstützend einnehmen.

Bitte vielleicht können Sie mir noch einige Ratschläge geben, da ich mich wohlfühle, die Tabletten aber absetzen möchte (später einmal) was kann ich begleitend tun.

Vielen herzlichen Dank.

Antwort von PD Dr. Wiedemann:

Sehr geehrter Angsthase,

  • Beckenbodentraining ist bei einer überaktiven Blase eher nicht angezeigt, eher ein Blasentraining (versuchen, die Abstände hinauszuzögern, Harndrang mit Konzentrationsübungen „wegwischen“, z. B. in 7er Schritten rückwärts zählen, Gedicht rezitieren).
  • Cranberry (wenn Infekte vorlagen) und Kürbiskern-Präparate werden nur marginal helfen, schaden aber nicht.
  • Wichtig auch: bei kurzfristig zunehmenden Beschwerden an eine Entzündung denken und Urin untersuchen lassen!

Gruß

Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

Rückfrage 2 von Angsthase (6.8.2014):

Danke für die Ausführungen. Meine Frage noch?

Mit dem Blutdruckmedikament habe ich verstanden, ich werde auf gar keinen Fall vorerst das Medikamente abbrechen. Eine Fehlsteuerung der Blase? Sehr kompliziert m Hormonspiegel wurde im Blut gemessen normal, Crenberry, Homöopathie, Kürbiskerne, zur Zeit spezielle Beckenbodenübungen von der Physiotherapeutin.

Früher einmal hatte ich immer die gleichen Probleme, Tablette einigige Tage eingenbommen, dann war es wieder vorbei. Diese Tabletten vertrag ich heute nicht mehr(Vesikur z.B.) Was ist also btte die Fehlsteuerung, der Kopf ist doch auch mit dabei, bei der Fehlsteuerung.

Vielleicht können Sie mir es noch genauer erklären, kein Arzt nimmt sich wirklich Zeit.

Soll ich noch die Spezialisten Reizblase aufsuchen.

Vielen Dank.

Antwort von PD Dr. Wiedemann:

Sehr geehrter Angsthase,

  • eine Östrogenbestimmung im Blut kann hier nicht helfen, es kommt auf die LOKALEN Verhältnisse im Scheiden/Harnröhrenbereich an. Diese kann man nur bei einer Untersuchung/Messung des Scheiden-Säuregrades (ph-Wert) bestimmen.
  • Cranberry usw. hilft, Infekte abzuwehren, nicht aber gegen Reizblasenbeschwerden direkt.
  • „Fehlsteuerung“ meint, dass irgendwo im komplexen Zusammenspiel von Nervenstrukturen, Muskelstrukturen, Kopf, Rückenmark, Nervenbahnen, Muskelzellen der Blase usw. eine Störung eingetreten ist – etwa wie der Reizhusten nach Bronchitis – die auslösende Ursache (z. B., um im Bild zu bleiben, eine Blasenentzündung) ist weg, der Reiz bleibt. Eine Überaktive Blase kann aber auch durch Vorgänge auf der mikroskopischen Ebene der Blasenmuskelzelle entstehen, die wir in der klinischen Praxis nicht messen können.
  • Zu Vesikur gibt es in der betreffenden Substanzgruppe Alternativen – diese lassen sich in kleinen Dosisstufen nach und nach bis zur Wirkung steigern, was die Verträglichkeit erhöht und mit Vesikur (nur Einmalgabe) nicht geht…

Gruß

Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

Rückfrage von Angsthase (5.8.2014):

Ich nehme nun Betmiga 50mg seit 2 Wochen ein. Außer wenig Mundtrockenheit in der Nacht wirkt das Mittel. Ich kann wieder unbesorgt Ausflüge machen, der ständige Drang mit dem Gefühl, ich muss auf die Toilette, ist vorerst weg. Meine Frage, da das Medikament doch sehr schwerwiegende Nebenwirkungen hat, kann ich das Medikament irgendwann wieder weglassen, hat sich meine Blase an längeren Blasenentleerungen eingestellt?

Noch eine Antwort, ich habe bei Fachärzten eine Blasenspiegelung, Harnuntersuchung, Ultraschall, ich wurde gründlich untersucht.

Hohen Blutdruck habe ich nicht.

Meine Sorge ist nur, ich bin schon 70 Jahre alt, die Nebenwirkungen ???? Danke für die Antwort

Antwort von PD Dr. Wiedemann:

Sehr geehrter Angsthase,

mit Ihrem Medikament wird die Fehlsteuerung der Blase wieder „geradegerückt“. Ähnlich wie bei einem Blutdruckmedikament würde das Weglassen wieder zu den alten Verhältnissen führen. Allenfalls kann nach Monaten der Therapie eine Dosisreduktion versucht werden.

PS: Häufig ist nach den Wechseljahren ein lokaler Östrogenmangel (mit)verantwortlich für Reizblasenbeschwerden – hat Ihre Fachärztin an die Messung des Scheiden-pH-Wertes als Gradmesser für einen Hormonmangel gedacht? Würde eine (ungefährliche!) Lokaltherapie eingeleitet, würden die Chancen auf ein Verschwinden der Reizblasen-Symptome und damit des Absetzens von Betmiga steigen.

Gruß

Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

Frage von Angsthase (20.7.2014):

Von Fachärzten eine Reizblase diagnostiziert. Was kann ich tun, damit ich meine Psycho Blase einstellen kann. Gehe auf die Toilette, fahre mit Bekannten weg, sofort kommt der Drang wieder gehen zu müssen.

Betmiga 50mg vertrag ich auch nicht, sämtliche Medikamente nicht vertragen.

Antwort von PD Dr. Wiedemann:

Hallo Angsthase,

Betmiga und auch Botox sind neuere Medikamente für die Überaktive Blase. Darunter wird ein Krankheitsbild aus häufigem Harndrang tags und nachts mit und ohne Inkontinenz verstanden.

Psychisch ist das Problem eher nicht, es handelt sich um eine Fehlsteuerung der Blase entweder auf Blasenebene oder in neurologischen Steuerungsmechanismen. Auch chronische Entzündungen, die „interstitielle Zystitis“ und andere Krankheitsbilder können zur Überaktiven Blase führen. Hier sollte genau untersucht werden: Urin-Kulturen, Harnröhrenabstriche, neurologische Untersuchung, Blasenspiegelung, Blasen-Probenentnahme, Urodynamik usw.

Standardmedikamente für die Überaktive Blase sind die sog. Anticholinergika, die erregende Impulse für die Blase unterdrücken. Betmiga wirkt hier wie eine Blaupause: es werden hemmende Impulse für die Blase verstärkt. Botox wird in die Blase injiziert und hemmt sie langwierig. Vor einer „versuchsweisen Therapie“ sollte aber die Ursache gefunden werden.

Wenn klassische Medikamente zum Schlucken nicht vertragen werden, sollte geklärt werden, was genau Sie nicht vertragen. Hier gibt es auch zwischen den Anticholinergika Unterschiede; u.U. könnte auch Botox eine Lösung sein.

Gruß

Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

2014-08-04T10:54:41+00:004. August 2014|

Über den Autor:

Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Herr Prof. Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.