Diabetes und Blase

Wir wissen heute, dass ein langjähriger, schlecht eingestellter Diabetes mellitus nicht nur Schäden an den Blutgefäßen, der Niere, der Netzhaut des Auges und an den Nerven verursachen kann.

Da auch die Blase Nerven hat, mit denen sie kontrolliert wird, liegt es nahe, dass es hier zu Problemen kommen kann.

Eine der Ursachen für die „diabetische Zystopathie“, die diabetes-bedingte Blasenfunktionsstörung, scheint zu sein, dass es zu einem Untergang von Nervenfasern in der Blasenmuskulatur kommt (s. Abb. 1 und 2, nach Wiedemann A, Eur J Ger 11 (2009): 30 – 35).

Abb. 1: Gewebeschnitt durch eine gesunde Blase – das feine Nervengeflecht in der Blasenmuskulatur ist rot angefärbt; es bestehen viele, korkenzieherartige Nervenäste

Abb. 1: Gewebeschnitt durch eine gesunde Blase – das feine Nervengeflecht in der Blasenmuskulatur ist rot angefärbt; es bestehen viele, korkenzieherartige Nervenäste

 

Abb. 2: Gewebeschnitt durch die Blase eines langjährigen Diabetikers: das Nervengeflecht ist völlig ausgedünnt und verwaschen dargestellt –diabetische Zystopathie

Abb. 2: Gewebeschnitt durch die Blase eines langjährigen Diabetikers: das Nervengeflecht ist völlig ausgedünnt und verwaschen dargestellt –diabetische Zystopathie

 

Während lange Zeit angenommen wurde, dass der Diabetes zu einer schlaffen Blase mit Blasenentleerungsstörung und Restharn führt, wissen wir heute, dass es eher zu einer Überaktiven Blase kommt. Darunter ist ein Krankheitsbild aus häufigem, nötigen und nächtlichen Harndrang zu verstehen, der auch zu unfreiwilligem Urinverlust mit Harndrang führen kann. Wenn Sie also als Diabetiker bemerken, dass Sie öfter als 7 – 8 x am Tag oder mehr als 1 x in der Nacht zur Toilette müssen, könnte eine Diabetes-bedingte Schädigung der Blase vorliegen.

Theoretisch sind auch andere Ursachen wie neurologische Krankheitsbilder, Östrogenmangel oder Prostatavergrößerung als Ursache möglich – das bedeutet, dass hier durch einen Arzt geklärt werden sollte, um welche Störung es sich handelt.

Lässt sich die Ursache für den verstärkten Harndrang nicht finden oder direkt beseitigen, werden die Beschwerden behandelt. Dies ist sehr effektiv mit den sog. Anticholinergika möglich. Diese Präparate „beruhigen“ die Blase, so dass die Abstände zwischen den Toilettengängen wieder größer werden und nachts durchgeschlafen werden kann. Konkret bedeutet das für jeden Diabetiker, dass er bei Veränderungen beim Wasserlassen nicht den Kopf in den Sand stecken sollte, sondern sich an seinen behandelnden Arzt wenden sollte. 

2017-06-27T13:26:00+00:0016. September 2013|

Über den Autor:

Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Herr Prof. Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.