Blasendrang – Frage von Angelika

4. Rückfrage von Angelika (8.12.2014):

Kann auch eine Reaktion von Ängsten eine überaktive Blase auslösen? Bei mir wurden alle Tests in einer Klinik schon vorgenommen. Im Kopf beginnt bei mir die Angst, ich müsste auf Toilette.

Bitte schreiben Sie mir nochmal auf meine Frage.

Ansonsten werde ich mich an ein Beckenbodenzentrum wenden. Danke für Ihr Verständnis.

Antwort von PD Dr. Wiedemann:

Liebe Angelika,

gerne schreibe ich erneut – THEORETISCH ist es denkbar, dass häufiges Wasserlassen „anerzogen“ ist – das ist nach meiner Erfahrung extrem selten, kann aber auch (physiotherapeutisch bzw. verhaltenstherapeutisch) behandelt werden. Vielleicht lohnt es sich wirklich, eine nochmalige Untersuchung vornehmen zu lassen, um eine somatische („körperliche“) Ursache auszuschließen.

Gruß

Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

3. Rückfrage von Angelika (7.12.2014):

Erst mal danke für Ihre Ausführungen.

Mein Problem, sowie ich mit Bekannten und Freunden zusammensitze, abgelenkt bin, z. B. ein interessantes Gespräch führe oder wir zusammen ein Spiel machen, kein Blasendrang.

Gehe ich von Hause weg, war aber noch auf der Toilette, geht es mit dem Harndrang los, ich werde nervös und das macht mich noch krank.

Nachts muss ich fast nie auf die Toilette. Deshalb diagnostizieren die Urologen psychosomatisch.

3 Monate Oekolp hat auch nichts gebracht. Kann meine Psyche schon aufgrund der Nervosität so stark beeinträchtigt sein, daß mir keiner helfen kann.

Ist Betmiga ein richtiges Medikament für mich?

Danke für Ihre Geduld, herzlichen Dank.

Antwort von PD Dr. Wiedemann:

Liebe Angelika,

nur, weil es nachts nicht zum Wasserlassen kommt, eine „psychosomatische“ Erkrankung zu diagnostizieren, halte ich für gewagt. Wie schon gesagt, würde ich eine komplette Ursachenforschung betreiben. Bestimmt läßt sich so eine finden und dann auch therapieren. Medikamente wie Betmiga oder die Gruppe der Antimuskarinika dämpfen die Blase. Dies wird nur ungenügend gelingen, wenn die Ursache nicht gefunden ist.

Also: Geduld, Ursachenforschung, dann Weitersehen.

Gruß

Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

2. Rückfrage von Angelika (7.12.2014):

Was würden Sie bei einer psychosomatischen Reizblase vorschlagen?

Ich habe versucht, Betmiga einzunehmen, bereits nach 4 Nächten Unruhe in der Nacht.

Was könnte ich noch tun, bin völlig verzweifelt.

Antwort von PD Dr. Wiedemann:

Sehr geehrte Angelika,

der Begriff „psychosomatische Reizblase“ ist für mich ungewöhnlich. Zunächst ist der Begriff „Reizblase“ out, wir sprechen eher von überaktiver Blase, wenn häufiges Wasserlassen, nächtliches Wasserlassen, vermehrter Harndrang mit oder ohne Urinverlust bestehen.

Häufig lässt sich eine Ursache finden: Infekte, Harnröhredivertikel, Östrogenmangel, Senkung, Harnröhrenenge … Bevor also vorschnell von „psychosomatisch“ gesprochen wird, ist eine genaue Untersuchung notwendig. Dies umfasst z. B. auch eine vaginale Untersuchung, Ultraschall, Blasenspiegelung, Urodynamik u.a.

 Also, nicht verzweifeln, untersuchen lassen!

Gruß

Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

Rückfrage von Angelika (7.12.2014):

Danke für Ihre Antwort. Da ich keine Herzschwerden und keinen hohen Blutdruck habe, kann ich Betmiga einnehmen. Wie lange sollte man dieses Medikament einnehmen, damit die Blase ohne Medikament wieder funktioniert?

Muß ich das Medikament eher ewig einnehmen?

Vielen Dank.

Antwort von PD Dr. Wiedemann:

Liebe Angelika,

die Therapie ist meistens eine Dauertherapie. Wenn sich nach Wochen/Monaten die Blase unter Medikation „beruhigt“ hat, kann versucht werden, die Dosis zu reduzieren – also z.B. von 50 auf 25 mg. Ansonsten verhält es sich wie bei hohem Blutdruck: werden die Medikamente weggelassen, ist der hohe Blutdruck wieder da.

Gruß

Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

Ursprüngliche Frage von Angelika:

Es wurde mir Betmiga 50 mg verordnet, können Sie mir erklären, was bewirkt Betmiga in meinem Körper?

Die Wirkung kann ich lt. den Aussagen des Arztes nicht verstehen?

Lähmung der Blasenmuskel und wenn ich die Tablette nicht mehr einnehme, was ist dann?

Antwort von PD Dr. Wiedemann:

Liebe Angelika,

um eine überaktive Blase zu dämpfen, gibt es 2 Möglichkeiten: ich kann das Zusammenziehen der Blase mit Harndrang dämpfen oder die Entspannungsphasen verstärken.

Mirabegron (Betmiga) verstärkt die Entspannungsphasen, während Antimuskarinika – wie z. B. Trospiumchlorid (Spasmex) – das überstarke Zusammenziehen der Blase dämpfen. Diese Medikamente – und das hat Ihr Arzt wahrscheinlich gemeint – sind mit der geringen Gefahr verbunden, dass bei zu starker Wirkung die Blase nicht mehr leer wird.

Betmiga hat andere Nebenwirkungen im Hinblick auf Bluthochdruck und Herzrhythmusstörungen.

Gruß

Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

2014-12-06T12:59:44+00:006. Dezember 2014|

Über den Autor:

Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Herr Prof. Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.