Was versteht man unter „Anticholinerger Last“?

Ein in der Pharmakologie viel beachtetes Thema stellt das Phänomen dar, dass viele Medikamente das vegetative Nervensystem dämpfen, ohne dass dies überhaupt bekannt ist. Sie haben dadurch Wirkungen nicht nur auf den Harntrakt, sondern auch auf das Gehirn, das bei Hochbetagten besonders empfindlich auf solche Einflüsse reagiert.

So wissen wir heute, dass Furosemid, ein „harmloses“, häufig bei Bluthochdruck und Herzschwäche eingesetztes wassertreibendes Medikament auch das vegetative Nervensystem dämpft, genauso wie Cortison bei Rheuma, Cimetidin bei Magenübersäuerung, Digitoxin bei Herzinsuffizienz oder Herzfehlern, Theophyllin bei Asthma und zahlreiche andere Medikamente.

Mit dem Terminus „anticholinerge Last“ wird der Effekt beschrieben, dass jedes einzelne dieser Medikamente vermutlich nicht in der Lage ist, Nebenwirkungen im Bereich des vegetativen Nervensystems wie Schwindel, Kopfschmerzen, Konzentrationsschwäche oder Schlafstörungen zu verursachen, die Summe aller dieser Medikamente aber sehr wohl dazu führen kann.

Dies führt zu der Empfehlung, bei der Therapie der Überaktiven Blase auf Trospiumchlorid auszuweichen, das als einziges für die Behandlung der Blasenschwäche zugelassenes Medikament nicht im Gehirn anflutet und solche Nebenwirkungen nicht auslösen kann.

2016-01-30T15:30:44+00:0030. Januar 2016|

Über den Autor:

Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Herr Prof. Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.