Home Blasenschwäche – alles rund um Harninkontinenz 2017-09-28T18:32:10+00:00

Blasenschwäche?
Bleiben Sie aktiv!

Auch mit Überaktiver Blase, Dranginkontinenz oder Belastungsinkontinenz lässt es sich sehr gut leben

Blasenschwäche? Was bedeutet das für mich?

  • Sie sind nicht allein!
  • Es gibt verschiedene Formen der Blasenschwäche, z.B. Überaktive Blase, Dranginkontinenz oder Belastungsinkontinenz
  • Blasenschwäche ist gut zu behandeln
  • Auf den Lebensstil kommt es an
  • Zögern Sie nicht! Sprechen Sie mit einem Arzt Ihres Vertrauens
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Häufige Fragen zu Blasenschwäche (Harninkontinenz)

von unseren Experten für Sie beantwortet

Mit Blasenschwäche und Harninkontinenz ist dasselbe gemeint. Es bedeutet, dass man nicht in der Lage ist, den Urin zurückzuhalten und den Zeitpunkt der Blasenentleerung selbst zu bestimmen. Der medizinisch korrekte Begriff ist Harninkontinenz.

Dabei handelt es sich gerade nicht um eine Schwäche der Blase, sondern um Fehlfunktionen des Harntrakts, bei dem viele Faktoren eine Rolle spielen. Mögliche Ursachen sind ein geschwächter Beckenboden, eine überaktive Blase, Entleerungsstörungen oder Störungen der Nervenverbindungen zwischen Harnblase und Zentralnervensystem.

Auch mit Blasenschwäche muss man ausreichend trinken (ca. 1½ bis 2 Liter pro Tag). Blasenschwäche lässt sich nicht dadurch verhindern, dass man weniger trinkt. Im Gegenteil: Es werden Harnwegsinfektionen begünstigt! Es sollte allerdings auf harntreibende Getränke wie Kaffee, schwarzen Tee, Bier und andere alkoholische Getränke verzichtet werden.

Auch wenn man nur wenig Urin verliert oder die typischen Symptome einer Überaktiven Blase bemerkt (überfallartiger Harndrang, häufige Toilettengänge), sollte man einen Arzt aufsuchen. Während der Hausarzt schon mit einigen wenigen Fragen, einer Urinuntersuchung und einem Ultraschall „Weichen stellen kann“, ist gerade die Therapie der Harninkontinenz vielschichtig. Wenn die Inkontinenz schon längere Zeit besteht, von größerem Umfang ist und mit anderen Krankheiten wie Schlaganfall, Parkinson, Operationen oder Bestrahlung einhergeht, ist in der Regel der Facharzt (Urologie bzw. Gynäkologie) gefragt.

Verbergen oder Verheimlichen helfen überhaupt nicht. Ein vertrauensvoller Hinweis gehört in der Partnerschaft dazu und wird sie nicht gefährden. Oftmals nehmen Partner das Problem schon wahr, ehe darüber gesprochen wird. Hier genügt oft ein umschreibendes Wort, dass eine Harninkontinenz besteht – „Diese Vorlagen brauche ich jetzt“ oder „ich muss nun häufiger die Wäsche wechseln“ lassen den Partner wissen, dass eine Harninkontinenz besteht, dramatisieren das Thema aber nicht, sondern vermitteln die Botschaft: „Es ist nun so, wir kommen damit zurecht“. In aller Regel ist das für den Partner kein wirkliches Problem. Wichtig ist der Gang zum Arzt, der behandelbare Ursachen finden und das Problem bessern wird. 

Sportliche Aktivität ist sehr wichtig! Schon 5 Minuten zügiges Spazierengehen am Tag aktiviert Ihren Organismus. Regelmäßige körperliche Aktivität bekämpft nicht nur Inkontinenz, sondern kommt der gesamten Gesundheit zugute (stärkeres Immunsystem, bessere Blutdruckwerte, bessere Blutzucker- und Blutfettwerte, geringeres Herzinfarktrisiko …).
Man sollte allerdings Sportarten mit Hüpfen, Springen und schnellen Drehungen meiden! Ungünstig ist es, wenn die Übungen „nach unten“ pressen oder Gewicht verlagern. Deshalb gelten beispielsweise Tennis, Squash, Aerobic, Karate, Reiten und Jogging als ungeeignet.
Besonders empfehlenswert sind alle Sportarten, die den Beckenboden entlasten oder stärken. Dazu zählen Radfahren, Schwimmen, (Nordic) Walking, Gymnastik und Yoga.

Keine der bei Harninkontinenz durchgeführten Untersuchungen ist schmerzhaft.

Typisch sind zunächst einmal die Erfragung wichtiger Informationen und die Auswertung eines Trink- und Toilettenprotokolls. Darüber hinaus erfolgen körperliche Untersuchung, Ultraschall und Urinanalyse. Eventuell führt der Facharzt sog. urodynamische Untersuchungen durch.

Der Beckenboden ist der bindegewebig-muskulöse Boden der Beckenhöhle, durch den u.a. die Harnröhre hindurchtritt. Er spielt beim Verschluss der Harnröhre ein erhebliche Rolle. Der Beckenboden ist wie eine Hängebrucke konstruiert, so dass Druck im Bauchraum in Druck auf die Harnröhre umgewandelt wird. Höherer Druck (z.B. bei Husten, Niesen, Hüpfen) führt damit zu einem stärkeren Verschluss – der Urin bleibt in der Blase.

Voraussetzung für die Effektivität der Konstruktion ist es, dass der Beckenboden selbst stabil ist und sich im rechten Winkel zur Harnröhre befindet. Ist der Beckenboden schwach und instabil, kann es zur Belastungsinkontinenz kommen (Inkontinenz durch Belastung des Bauchraums wie Husten oder Niesen).

Blasenschwäche ist weit verbreitet! Schätzungen sprechen von mindestens 5 bis 7 Millionen Deutschen. Wahrscheinlich sind es wesentlich mehr, da sehr viele Patienten von keiner Statistik erfasst werden. Der Grund dafür ist, dass Harninkontinenz leider noch immer für viele Patienten ein Tabuthema ist, so dass diese unerkannt bleiben. Blasenschwäche nimmt mit dem Alter zu, so dass durch die steigende Lebenserwartung auch die Zahl der Betroffenen steigen wird.

Es gibt 4 Hauptformen der Blasenschwäche, denen jeweils eine Ursache zuzuordnen ist. Grundsätzlich entsteht eine Blasenschwäche, wenn das Zusammenspiel der an Urinspeicherung und Blasenentleerung beteiligten Organe gestört ist. Dies sind Gehirn, Rückenmark, Blasenmuskel, der innere und äußere Schließmuskel sowie der Beckenboden.

Am häufigsten kommen Belastungsinkontinenz, Dranginkontinenz und Mischformen aus Drang- und Belastungsinkontinenz vor. 49% aller Inkontinenzfälle bei Männern und 31% der Fälle bei Frauen betreffen Mischformen. Bei diesen steht meist eine der beiden Inkontinenzformen im Vordergrund, es müssen aber beide parallel behandelt werden.

Da Blase und Geschlechtsorgane teilweise über dieselben Nerven gesteuert werden, können Störungen in einem Bereich auch Auswirkungen auf den anderen Bereich haben. Bei beiden Geschlechtern kann die sexuelle Funktion durch Harninkontinenz erheblich beeinträchtigt sein. Über 30% der Männern mit Symptomen des unteren Harntraktes sind betroffen und über 35% der Frauen mit Inkontinenz. Durch Behandlung der Beschwerden lässt sich in der Regel auch die sexuelle Funktion verbessern.

Harnverlust bei der Sexualität ist ein stark tabuisiertes Thema, aber viel weniger häufig ein Problem für den Partner, als es Befürchtungen hierzu gibt. Ein untergelegtes Handtuch kann Sicherheit vermitteln. Wird die Blase vor dem Verkehr entleert und werden Positionen eingenommen, die möglichst wenig Druck auf die Blase erzeugen, kann solch ein Urinverlust vermieden oder zumindest minimiert werden. Auch hier hilft ein kleiner humorvoller Hinweis, „Überraschungen“ zu vermeiden.

Eine Dranginkontinenz wird bei empfindlichen Menschen durch Hektik und Nervosität begünstigt. Mit Entspannung kann man viel dagegen tun! Eine der wirksamsten Methoden ist die progressive Muskelrelaxation nach Edmund Jacobson. Diese wirkt stabilisierend auf das vegetative Nervensystem, verbessert die Leistungsfähigkeit und bringt Körper, Seele und Geist gleichermaßen wieder „ins Lot“.

Viele fühlen sich durch Blasenschwäche isoliert aus Scham und Angst, andere könnten davon erfahren. Dabei ist es heute problemlos möglich, normal am sozialen Leben teilzunehmen oder zu verreisen.

Es gibt vielfältige Behandlungsmöglichkeiten und effektive Medikamente, die Ihnen Sicherheit geben. Für alle Fälle stehen verschiedenste Hilfsmittel wie beispielsweise Pants oder die 1-mal-Toilette zur Verfügung. Fragen Sie Ihren Arzt!

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Überaktive Blase, Dranginkontinenz oder Belastungs-Inkontinenz?

Mehr zu Überaktiver Blase
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Es gibt zahlreiche Ausprägungen der Blasenschwäche (Harninkontinenz). Doch wie kann man schnell zwischen den wichtigsten Formen unterscheiden? Bereits mit ein paar wenigen Fragen können Sie sofort recht gut einschätzen, ob bei Ihnen eine Blasenschwäche vorliegt und ob es sich um eine der häufigeren Formen (Belastungs- oder Dranginkontinenz) handelt.

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Umfassendere Informationen – auch zu selteneren Formen der Harninkontinenz – finden Sie auf der Seite mit Fragen zu den Symptomen und erster Verdachtsdiagnose

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Durch ein komplexes Zusammenspiel von Harnorganen, Beckenboden und Nervensystem erfolgen Urinspeicherung und Blasen-Entleerung normalerweise genau dann, wenn wir es wollen. Bei Überaktiver Blase und Blasenschwäche ist dieses Zusammenspiel gestört.

Mechanismen von Harnspeicherung und Blasenentleerung (Textversion)

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Einfluss von Medikamenten auf die Blasenfunktion (Textversion)