Welche Bedeutung hat die Elektrostimulation bei Harninkontinenz?

Bei der Elektrostimulation wird elektrischer Strom im Milliampere-Bereich über vaginale/rektale Elektroden angewandt, Muskelfasern aus dem Beckenboden zu stimulieren.

Der Strom wird über ein taschenrechnerähnliches Gerät, das batteriebetrieben ist, abgegeben, viele Geräte erlauben es dem verordnenden Arzt, über ein Computerprogramm die Anzahl und Dauer der Übungseinheiten auszuwerten. Geübt werden muss über Wochen zwei Mal am Tag über am besten 20 Minuten; die Methode kann mit verschiedenen Stimulationsprogrammen sowohl bei der Belastungsinkontinenz (Urinverlust bei Husten, Lachen, Niesen) als auch bei der Überaktiven Blase (Urinverlust mit Harndrang) angewendet werden.

Es gibt – je nach Gerät – passive Stimulationsprogramme und solche mit der sog. „bio-feed-back“-Option, bei der die Stromabgabe dann ausgelöst wird, wenn der Beckenboden fest angespannt wird. Letztere Variante stellt eine Kombination der klassischen, physiotherapeutisch geleiteten „Beckenbodengymnastik“ mit der Elektrostimulation dar. Die Effekte sind insgesamt besonders bei einer stärkergradigeren Harninkontinenz als eher mild zu beurteilen; die Methode kommt häufig bei Inoperabilität im Falle der Belastungsinkontinenz oder in Kombination mit Anticholinergika zur Behandlung der Überaktiven Blase zum Einsatz.

2015-03-16T15:51:07+00:0016. März 2015|

Über den Autor:

Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Herr Prof. Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.