Überaktive Blase bei Älteren – welche Medikamente sind geeignet?

2010 startete Frau Professor Thürmann aus Wuppertal ein Projekt, bei dem die Medikamente identifiziert werden sollten, die für Ältere eher ungünstig sind. Sie durchforstete internationale „PIM“-Listen („potentiell inadäquate Medikation“), unternahm eine Literaturrecherche zum Thema und befragte ein Gremium aus 38 Geriatern, Internisten, Pharmakologen und Pharmazeuten zu den von ihr identifizierten risikobehafteten Medikamenten.

Herausgekommen sind 83 Substanzen, die der Arzt bei Älteren über 65 Jahre nicht einsetzen sollte, weil sie schlecht abgebaut werden, zu unerwünschten Nebenwirkungen führen oder bestimmte Nebenwirkungen wie Schwindel im Hinblick auf eine Sturzgefährdung besonders dramatisch werden können. Die sog. „priscus“-Liste (priscus = lat. alt, ehrwürdig) ist also eine „schwarze Liste“ von Medikamenten, die bei Älteren besser nicht eingesetzt werden sollten.

Auf urologischem Sektor stehen die Präparate zu Behandlung der Überaktiven Blase aus der Gruppe der tertiären Amine wie das unretardierte Tolterodin, Oxybutynin oder Solifenacin auf dieser Liste, weil sie Schwindel, Schlafstörungen und Konzentrationsmangel auslösen können. Als Ausweichsubstanz wird Trospiumchlorid genannt, das als einzige Substanz aus der Gruppe der Anticholinergika nicht zu diesen Nebenwirkungen führt.

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2017-06-27T13:35:15+00:0016. August 2013|

Über den Autor:

Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Herr Prof. Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.