Die Strahlenblase oder „radiogene Zystitis“

Typischerweise 10 – 15 Jahre nach einer Krebsbestrahlung des Unterleibes kann es zu Veränderungen der Harnblase kommen. Zwar versucht der Strahlentherapeut bei einer Bestrahlung eines Gebährmutterkrebeses, eines Prostata- oder Darmkrebses, die umliegenden Organe zu schonen; vor allem bei alten Kobalt-Bestrahlungen gelang dies jedoch nicht immer in dem Umfang, wie es heute mit Linearbeschleunigern möglich ist. Es kommt zu einer Durchblutungsstörung und Verletzbarkeit der Harnblasenwand, zu Blutungen und einer überaktiven Blase mit häufigem, unkontrollierbarem Harndrang am Tage und in der Nacht. In der Abb. sind die gereizten, vergrößerten Gefäße (neben einer Harnleiterschiene) zu sehen. Die Behandlung ist schwierig; während die Symptome mit Anticholinergika (syn.: Antimuskarinika) kontrolliert werden können, sind Harntraktblutungen als Bestrahlungsfolge nur schwer in den Griff zu bekommen. Häufig muss operativ per Spiegelung eine solche Blutung gestillt werden.

2017-06-27T21:52:12+00:0021. Mai 2013|

Über den Autor:

Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Herr Prof. Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.