Restharn – Frage von ResiDK

Hallo, ich habe schon von klein auf immer wieder mit Blasenentzündungen zu kämpfen. Als ich im Frühjahr diesen Jahres zwei Entzündungen innerhalb 4 Wochen hatte, habe ich einen Urologen aufgesucht. Dieser bestätigte mir eine Restharnmenge von 160ml. Dieses Problem wurde mit einer Blasenspiegelung und einer Erweiterung der Harnwege behoben und bei der anschließenden Harnstrahlmessung war mein Arzt sehr zufrieden. Der andauernde Harndrang bei einer geringen Flüssigkeitszufuhr hat nach dem Eingriff abrupt aufgehört, worüber ich sehr erleichtert war.

Allerdings ist der Eingriff nun 2 Wochen her und ich stelle wieder Restharn und das dauernde Harndrang-Gefühl fest. So langsam zerrt es an meinen Nerven und ich weiß nicht, was ich noch weiter unternehmen soll und warum die Erweiterung nur so kurz geholfen hat. Liebe Grüße

Antwort von PD Dr. Wiedemann:

Liebe ResiDK,

am ehesten liegt bei Ihnen ein Überhang an Reizblase und chronischem Infekt vor.

Die Harnröhrenverengung – so vermutlich die Kausalkette – hat zu Restharn geführt, dieser zu chronischen Infekten. Nun ist mit der Harnöhrenerweiterung zwar der Auslöser beseitigt, aber die gereizte und entzündete Blase kommt noch nicht so schnell zur Ruhe.

Empfehlenswert ist aus meiner Sicht eine Langzeit-Antibiose (leichtes Antibiotikum für 3 – 6 Monate), ggf. eine Beruhigung der Blase z. B. mit pflanzlichen Medikamenten oder sog. Anticholinergika. Auch kann es hilfreich sein (je nach Alter), die lokalen Schleimhautverhältnisse nach den Wechseljahren mit Östrogencreme zu verbessern.

LG

Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

2017-08-28T12:37:44+00:0028. August 2017|

Über den Autor:

Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Herr Prof. Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.