Reizblase und Trinkmenge – Frage von Lotte

Rückfrage von Lotte (2.10.2018):

Sehr geehrter Herr Prof. Wiedemann,

haben Sie herzlichen Dank für Ihre geschätzte Antwort!

Eine kurze Nachfrage bitte: Sie schreiben, es müsste einmal nachgesehen werden (Urodynamische Untersuchung, Blasenspiegelung). Uroflow und Blasenspiegelung wurden aber bereits gemacht und waren beide unauffällig. Auch wurde der Urin bereits auf Chlamydien und Mykoplasmen untersucht bzw es wurden Harnröhrenabstriche gemacht. Einmal fand man Ureaplasmen, die wurden dann 1 Monat behandelt, die Kontrolle war dann negativ. Also müsste man doch solche Ursachen ausschließen können, oder? Kann danach eine Empfindlichkeit noch lange bestehen bleiben?

Danke!

Lotte

Antwort von Prof. Wiedemann:

Liebe Lotte,

ich würde eine Urodynamik machen lassen und die Abstriche wiederholen.

Mit freundlichen Grüßen,
Prof. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

Ursprüngliche Frage von Lotte:

Sehr geehrte Experten,

ich leide seit einer heftigen Blasenentzündung im Herbst des Vorjahres an ständigem Harndrang und Restharngefühl (manchmal seltsamerweise nur auf der linken Seite); Schmerzen haben ich eigentlich keine, nur manchmal sticht es am Ende des Harnlassens in der Harnröhre.

Zum Hergang: Nach der BE musste ich diverse AB nehmen (über Monate), um sie zu therapieren (auch ein Pilz kam dann auch noch dazu). Im Winter wurden dann – da die Beschwerden anhielten – bei einem Harnröhrenabstrich noch Ureaplasmen gefunden und 1 Monat mit Doxycyclin behandelt. Kontrollen ergaben, dass alles weg ist; auch der Harn war bei den letzten Untersuchungen immer ok. Die Blasenentzündung ist also offenbar längst austherapiert; urologisch (Blasenspiegelung) und gynäkologisch ist mittlerweile eigentlich alles in Ordnung. Der Harndrang ist aber da, mal ein bisschen besser, dann wieder schlechter.

Daher meine Fragen:

  1. Kann die Blase und vor allem die Harnröhre nach so langer Zeit noch so empfindlich sein?
  2. Meine Trinkmenge ist seit der BE immer sehr hoch (schätze sie auf meist ca 3-4 Liter). Kann es sein, dass ich meine Harnwege durch permanentes zu-viel-Trinken überreizt habe?
  3. Verursachen Mannose und Utipro (die ich prophylaktisch nehme) Harndrang?
  4. Könnte das auch psychisch sein, bzw ist das Schmerzgedächtnis schuld? Wenn ja, wie kann man das beeinflussen?
  5. Kann permanenter Harndrang bzw Harnröhrenbeschwerden bei Frauen auch von einer Entzündung der „weiblichen Prostata“ herrühren? Habe gehört, dass die Skene-Drüsen auch so etwas verursachen könnten – stimmt das, und wie wird das diagnostiziert und ggf behandelt?
  6. Haben Sie sonst einen Rat für mich?

Danke!
Lotte

Antwort von Prof. Wiedemann:

Liebe Lotte,

  1. Ja, es kann aber auch noch der Infekt „schwelen“.
  2. Das nicht, aber das macht auch Harndrang. Reduzieren Sie auf ein gewöhnliches Maß von 2 Litern!
  3. Nein
  4. Nein, es müsste einmal nachgesehen werden (Urodynamische Untersuchung, Blasenspiegelung)
  5. In der Tat können Symptome einer Überaktiven Blase durch eine (versteckte) Infektion herrühren. Deswegen wird in der Abklärung nicht nur der Urin auf „gewöhnliche“ Erreger untersucht, sondern auch z. B. auf Chlamydien und Mykoplasmen per Abstrich oder im Morgenurin. Sprechen Sie Ihren Gynäkologen darauf an!
  6. s. Nr. 4. und 5.

Mit freundlichen Grüßen,
Prof. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

2018-10-04T12:15:16+00:004. Oktober 2018|

Über den Autor:

Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Herr Prof. Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.