Weiterer Verlauf bei präoperativem DJ stenting – Frage von Pigtail

Ich wurde eines Nachts nach einer Kolik in die Notaufnahme eingeliefert mit einem linksseitigen distal liegenden Harnleiterstein. Die Ultraschall Untersuchung ergab eine moderate Hydronephrose. Bei der anschließenden Ureterorenoskopie am nächsten Tag (ohne vorheriges CT) konnte der Stein trotz seines geringen Durchmessers (2mm) laut Operateur nicht entfernt werden, da der Ureter zu eng sei. Stattdessen wurde ein DJ Katheter eingesetzt, um eine erneute Kolik zu verhindern und den Harnleiter zu erweitern. Nun meine Fragen:

  1. Wieso wurde direkt eine URS durchgeführt ohne ein vorheriges CT um Position und Größe des Steins zu ermitteln, die beim weiteren Therapieverlauf entscheidende Faktoren sind (Arzt: Das sei „Standard“)? Die URS im Anschluss hätte man immer noch machen können.
  2. Wie lange sollte man vor der zweiten URS mit tatsächlicher Entfernung des Harnleitersteins nach dem ersten Eingriff warten, also dem DJ Katheter Zeit geben, den Ureter zu erweitern?
  3. Ich habe gelesen dass Harnleitersteine mit geringem Durchmesser wie in meinem Fall nach Entfernung der Schiene spontan abgehen. Der mich behandelnde Arzt meinte allerdings er würde mittels Körbchens während des Eingriffs entfernt. Wieso muss man also bei meinem Stein zusätzlich nachhelfen?
  4. Muss nach der OP erneut ein DJ Katheter wegen der resultierenden Schwellung eingelegt werden? Falls ja, wie lange muss dieser im Harnleiter verbleiben?

Der DJ Katheter ist äußerst unangenehm wegen der bei jedem Wasserlassen kurzfristig anhaltenden kolikähnlichen Schmerzen und dem unangenehmen Gefühl, wenn er beim Laufen gegen den Harnleiter reibt. Da die einzige Alternative, eine offene OP mit einer hohen Komplikationsrate verbunden ist, muss man das wohl in Kauf nehmen.

Antwort von Prof. Wiedemann:

Lieber Pigtail,

hier die Antworten zu Ihrem Fragenbündel:

1. Wieso wurde direkt eine URS durchgeführt ohne ein vorheriges CT um Position und Größe des Steins zu ermitteln, die beim weiteren Therapieverlauf entscheidende Faktoren sind (Arzt: Das sei „Standard“)? Die URS im Anschluss hätte man immer noch machen können.

Jede Röntgenaufnahme und besonders ein CT stellen eine Strahlenbelastung dar. Wenn der Stein oder der Aufstau eindeutig sind, ist der Verzicht darauf nicht verkehrt.

2. Wie lange sollte man vor der zweiten URS mit tatsächlicher Entfernung des Harnleitersteins nach dem ersten Eingriff warten, also dem DJ Katheter Zeit geben, den Ureter zu erweitern?

Das hängt von dem Aussehen des Harnleiters und der Höhe des Steines ab, muss der Operateur sagen („Hausnummer: 2 Wochen)

3. Ich habe gelesen dass Harnleitersteine mit geringem Durchmesser wie in meinem Fall nach Entfernung der Schiene spontan abgehen. Der mich behandelnde Arzt meinte allerdings er würde mittels Körbchens während des Eingriffs entfernt. Wieso muss man also bei meinem Stein zusätzlich nachhelfen?

Können, aber müssen nicht. Wenn eine Schiene 2 Wochen gelegen hat, ist die Passage des erweiterten Harnleiters kein Problem, entfernt man die Schiene, geht der Stein nicht ab, wird der Harnleiter wieder eng, alles beginnt von vorn.

4. Muss nach der OP erneut ein DJ Katheter wegen der resultierenden Schwellung eingelegt werden? Falls ja, wie lange muss dieser im Harnleiter verbleiben?

Das hängt vom Harnleiter und dem sog. „Steinbett“ ab. Standard ist die Einlage eines DJ nach URS für ein paar Tage.

Der DJ Katheter ist äußerst unangenehm wegen der bei jedem Wasserlassen kurzfristig anhaltenden kolikähnlichen Schmerzen und dem unangenehmen Gefühl, wenn er beim Laufen gegen den Harnleiter reibt. Da die einzige Alternative, eine offene OP mit einer hohen Komplikationsrate verbunden ist, muss man das wohl in Kauf nehmen.

Eine offene OP ist heutzutage bei einem solchen Stein nicht sinnvoll. Der Druck beim Wasserlassen kommt durch das „Zurückspülen“ von Urin – Trick: häufiger Wasser lassen, im Sitzen Wasser lassen. Gegen Harndrang helfen ggf. Medikamente.

Mit freundlichen Grüßen,

Prof. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

2018-07-26T16:25:41+00:0026. Juli 2018|

Über den Autor:

Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Herr Prof. Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.