Kontinenzprobleme nach Prostataentfernung – Frage von Johannes C

Nach einer vier Wochen (15. Juni) zurückliegenden radikalen Prostataektomie kämpfe ich um die Wiedererlangung der Kontinenz. Dabei tritt folgendes Phänomen auf: Während ich nachts mehrfach von meiner Blase „geweckt“ werde und dann mit vollem Strahl jeweils ungefähr 200- 250 ml Urin absondern  und den Strahl auch mehrfach willkürlich anhalten kann, passiert es mir besonders am Vormittag bei Spaziergängen, dass Harn unwillkürlich abgeht ohne vorherige Meldung ans Gehirn. Diese Zweiteilung erlebe ich seit der Ziehung des Katheters am 27. Juni. Wenn die Beckenbodenmuskulatur also ausreichend trainiert scheint, warum funktioniert sie (und das Meldesystem) tagsüber so wenig zuverlässig? Kann es sein, dass die Blasenmuskulatur erschlafft ist und sich regenieren muss? Gibt es überhaupt eine von der Beckenbodenmuskulatur unabhängigen Blasenmuskel, der ebenso trainiert werden kann wie letztere? Wenn das der Fall ist, was kann ich tun, um sie zu stärken. Oder muss ich einfach abwarten?

Antwort von Prof. Wiedemann:

Lieber Johannes C,

das Phänomen, das Sie beschreiben, ist die typische Belastungsinkontinenz, die nachts im Liegen besser ist, weil der Druck des aufrechten Ganges nicht auf dem Beckenboden lastet. Dann schaffen Sie eine ordentliche Blasenentleerung. Bei Aktivitäten ermüdet der Beckenboden und es geht Urin ab.

Insgesamt ist das der gewöhnliche Verlauf, machen Sie Physiotherapie-Beckenboden-Training. Die Wiedererlangung der Kontinenz wird ein halbes Jahr dauern.

Mit freundlichen Grüßen,

Prof. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

2018-07-11T11:34:33+00:0011. Juli 2018|

Über den Autor:

Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Herr Prof. Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.