Verstehen. Vorbeugen. Behandeln.
Wiederkehrende
Harnwegsinfekte
Viele Menschen, insbesondere Frauen, bekommen mindestens einmal im Leben eine Harnwegsinfektion, manche von ihnen leider immer wieder.¹ Die Harnwege – bestehend aus Nieren, Harnleitern, Blase und Harnröhre – verfügen über natürliche Abwehrmechanismen, die Bakterien normalerweise abwehren. Trotzdem kann es zu Infektionen kommen, wenn diese Abwehr überwunden wird oder bestimmte Risikofaktoren vorliegen.
Typische Symptome
- Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen
- Häufiger Harndrang, oft nur kleine Mengen
- Plötzlicher, starker Harndrang
- Schmerzen im Unterbauch oder oberhalb des Schambeins
Wann spricht man von wiederkehrenden Harnwegsinfekten?¹
Vielleicht kennen Sie es auch: Schmerzen, ständiger Harndrang und die Sorge vor der nächsten Infektion prägen Ihren Alltag.
Von wiederkehrenden (rezidivierenden) Harnwegsinfektionen spricht man, wenn es innerhalb von 6 Monaten mindestens 2 Infekte oder innerhalb eines Jahres mindestens 3 Infekte gibt.⁵
Welche Faktoren beeinflussen das Risiko von wiederkehrenden Harnwegsinfekten?³
- Sexuelle Aktivität
- Östrogenmangel postmenopausal
- Zu wenig Flüssigkeit
- Schwangerschaft
- Stoffwechselerkrankungen (z. B. Diabetes)
- Katheterisierung
- Unterkühlung durch z. B. nasse Badekleidung
- Darmkeime (z. B. E. coli)
Was können die Auslöser für wiederholte Harnwegsinfekte sein?³ ⁴
- Im Gewebe ruhende Bakterien
- Falsche oder zu kurze Therapie
- Resistenzentwicklung
- Lebensstilfaktoren
- Postmenopausale Veränderungen
- Anatomische Besonderheiten
Stoppen Sie den Kreislauf wiederkehrender Harnwegsinfektionen
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, wiederkehrenden Harnwegsinfektionen vorzubeugen. Behandlungen zielen darauf ab, den Kreislauf zu durchbrechen und eine erneute Infektion zu vermeiden.
Wiederkehrenden Harnwegsinfekten vorbeugen
Antibiotische Maßnahmen²
Ein Ansatz ist der Einsatz von Antibiotika über einen längeren Zeitraum. Bei chronischen Harnwegsinfektionen dringen die Bakterien tief in die Blasenschleimhaut ein, wo sie lange unbemerkt bleiben und sich vermehren können. Kurzfristige Antibiotikagaben erreichen sie dort oft nicht. Erst wenn die Bakterien wieder in den Urin gelangen, können sie gezielt bekämpft werden.
Nichtantibiotische Maßnahmen
Es gibt auch Behandlungsmöglichkeiten ohne Antibiotika. Diese können in manchen Fällen hilfreich sein. Die medizinischen Leitlinien empfehlen sie jedoch nur vorsichtig, weil bisher nicht eindeutig bewiesen ist, wie gut sie wirklich wirken.² Hierzu zählen: Cranberry, D-Mannose, OM-89, Östrogenhaltige Cremes, Blaseninstillationen.
Eine weitere Möglichkeit zur Vorbeugung ist der Wirkstoff Methenamin.⁶ Er eignet sich zur Prophylaxe rezidivierender unkomplizierter Harnwegsinfekte. Im sauren Urin wird der Wirkstoff in seine aktive Form umgewandelt und setzt Formaldehyd frei. Dieser Stoff wirkt antibakteriell und hemmt das Wachstum von Keimen in den Harnwegen. Durch diesen Wirkmechanismus kann Methenamin helfen, die Anzahl erneuter Infekte zu reduzieren.
Warum eine genaue ärztliche Abklärung wichtig ist
Eine sorgfältige Untersuchung hilft, Harnwegsinfekte richtig zu erkennen, Rückfälle zu vermeiden und Komplikationen früh zu erkennen.
Ärztlicher Rat empfiehlt sich bei:³
- Blut im Urin
- Fieber, Schüttelfrost
- Flankenschmerzen
- Mehr als 2 Infekten in 6 Monaten oder mehr als 3 in 12 Monaten
Ein Harnwegsinfekt wird meist durch die typischen Beschwerden und einen Urin-Teststreifen festgestellt. Bei Bedarf folgen eine Urinkultur zur genauen Erregerbestimmung oder ein Ultraschall.
Akuttherapie
Bei einem akuten Infekt kommen meist Antibiotika zum Einsatz. Sie können Beschwerden rasch lindern und die Erreger bekämpfen. Allerdings haben sie auch Grenzen: Wiederholte Antibiotikatherapien können die Resistenzentwicklung fördern und die natürliche Bakterienflora beeinträchtigen. Deshalb ist bei häufigen Rückfällen ein durchdachtes, langfristiges Konzept wichtig.²
Tipps für den Alltag zur Vorbeugung von Harnwegsinfekten
falls ärztlich nichts dagegenspricht
Intimbereich nicht „überpflegen“
kann Keimübertragung reduzieren
kann helfen Bakterien auszuspülen
z.B. nasse Kleidung rasch wechseln
kann Feuchtigkeit reduzieren
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Quellen
- Advani SD, Thaden JT, Perez R, et al. Clinical Infectious Diseases: An Official Publication of the Infectious Diseases Society of America. 2025;80(3):e31-e42. doi:10.1093/cid/ciae653.
- https://register.awmf.org/assets/guidelines/043-044p1_S3_Epidemiologie-Diagnostik-Therapie-Praevention-Management-Harnwegsinfektionen-Erwachsene-HWI_2024-09.pdf
- https://urologische-stiftung-gesundheit.de/besser-leben-mit-harnwegsinfektionen/
- https://www.expertmedical.berlin/chronische-harnwegsentzuendung/
- https://www.gelbe-liste.de/krankheiten/zystitis-blasenentzuendung
- https://deutsch.medscape.com/artikelansicht/4911047?form=fpf