Was ist die Bluthirnschranke? Spielt sie eine Rolle bei Nebenwirkungen von Anticholinergika, die gegen Überaktive Blase eingesetzt werden?

Als wir Menschen noch als Neandertaler die deutschen Urwälder unsicher machten, war es evolutionsbiologisch wichtig, dass wir nicht durch Pflanzengifte oder verdorbene Beutetiere vergiftet wurden.

Die Natur hat deshalb unser Gehirn gegenüber dem Rest des Körpers abgeschottet. Die sog. Bluthirnschranke stellt eine Barriere aus Blutgefäß- und Hirnhaut-Zellen dar, die die Blutseite (in der Abb. rosa) von der Gehirnseite (in der Abb. grün dargestellt) trennt.

Bluthirnschranke im Schema (nach Prof. Geyer, Giessen)

Die entsprechenden Zellen werden durch bestimmte Eiweiße (Occludin und Claudin) wie Mörtel in einem Mauerwerk zusammengehalten, so dass im Blut ankommende Gifte nicht passieren können.

Nur ganz selektiv können bestimmte Substanzen wie Arzneimittel durch Transporter wie MDR-1 oder andere in das Gehirn gelangen. Hier gibt es einen Unterschied zwischen den Medikamenten zur Behandlung der Überaktiven Blase: Trospiumchlorid ist die einzige Substanz, die aufgrund ihrer Moleküleigenschaften auf der Blutseite bleibt; Nebenwirkungen wie Schwindel oder Konzentrationsmangel sind von vorne herein ausgeschlossen.

2017-06-26T13:56:31+00:003. Mai 2017|

Über den Autor:

Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Herr Prof. Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.