Blasenschwäche und Schlaganfall – Besonderheiten und Behandlung

Bei einem Schlaganfall kann es durch eine Durchblutungsstörung von Gehirngewebe oder aber durch ein Zerreißen von einem Blutgefäß zu einer Einblutung in das Gehirngewebe kommen. Je nach betroffener Region können die Folgen nur kurzfristig und schwach ausgeprägt sein, es kann jedoch auch zu schweren Lähmungen, Sprachstörungen, Schluckstörungen, Sehstörungen, Hörstörungen und anderen neurologischen Ausfällen kommen.

Auch die Harnblase kann betroffen sein, zumeist bildet sich eine so genannte überaktive Blase aus. Das Gehirn hat dann in diesem Falle verlernt, die Blase zu kontrollieren, die Blase arbeitet „autonom“. Der Patient bemerkt einen sehr starken, nicht kontrollierbaren häufigen Harndrang, sehr oft mit unfreiwilligem Urinverlust verbunden. Erschwerend kommt hinzu, dass im Rahmen des Schlaganfalls häufig auf der Intensivstation ein Dauerkatheter gelegt wird, um in der initialen Phase den Urin abzuleiten. Dadurch ist die Blase häufig infiziert, was das Krankheitsbild einer überaktiven Blase verschlimmert.

Hier ist eine neuro-urologische Diagnostik gefragt. Mit der urodynamischen Messung können die Beschwerden verifiziert und quantifiziert werden, zumeist wird die Blase gedämpft werden. Dies geschieht mit Medikamenten aus der Gruppe der Anticholinergika. Zusätzlich wird ein Blasentraining durchgeführt, um die Abstände zwischen den Harndrangepisoden zu strecken. Häufig gelingt es mit zunehmender Erholung des betroffenen Gehirngewebes, eine nahezu komplette Kontinenz wiederherzustellen.

2018-11-02T14:50:23+00:002. November 2018|

Über den Autor:

Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Herr Prof. Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.