Blasenschwäche – Frage von Erna

Rückfrage von Erna (6.5.2016):

DANKE für die Rückmeldung. Östrogenzäpfchen nehme ich 1x die Woche.

Botox ist für mich nicht machbar; ein Urologe von einer bekannten Klinik hat mir erklärt, bei einer psychosomatischen Reizblase hätte es keinen Sinn.

Deshalb versuche ich alles! Was kann ich noch mit natürlichen Medikamente  versuchen?

Vielen Dank liebe grüße

Erna

Antwort von PD Dr. Wiedemann:

Liebe Erna,

der Begriff „psychosomatische Reizblase“ ist irreführend. Gemeint ist offenbar, dass es keine fassbare Ursache wie Entzündung, Stein oder neurologisches Leiden gibt. Das ist bei einer „Überaktiven Blase“ immer so.

Es heißt aber nicht, dass man dann diese Funktionsstörung nicht behandeln darf: Vergleichen Sie es mit dem Bluthochdruck: Da wird auch geschaut, ob der von den Nieren oder der Schilddrüse kommen kann – und wenn nicht, wird er mit Medikamenten eingestellt.

Also mir ist nicht klar, warum Tabletten oder von mir aus Botox nicht bei Ihnen eingesetzt werden können. Außerdem liegt der Teufel manchmal im Detail: Östrogenzäpfchen 1 x pro Woche ist normalerweise viel zu wenig – hier könnte man überprüfen (z. B. mit dem Scheiden-pH), ob sie nicht mehr brauchen …

Gruß

Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

Ursprüngliche Frage von Erna:

Bin schon 70 Jahre alt, weiblich, und habe eine Reizblase.  Meine Frage: ist Kaffee wirklich nicht geeignet? Ich trinke am morgen zu gerne Kaffee.

Magnesium und Vitamin b2 sollen die Anspannung stoppen. Was können Sie mir auf natürlicher Basis empfehlen?  Medikamente vertrage ich nicht. Botox lehne ich ab.

Danke, grüße.

Antwort von PD Dr. Wiedemann:

Liebe Erna,

Kaffee enthält Koffein, was die Nierendurchblutung anregt und daher zu einer Urinflut führt. Hat jemand eine „Reizblase“, verstärken sich also die Symptome.

Schade, dass Sie so kategorisch gegen Medikamente sind, Botox ablehnen und andere „nicht vertragen“. Hier sollten Sie vielleicht Ihre Haltung noch einmal unterdrücken.

Es gibt bei den Medikamenten gegen Reizblase schon Unterschiede. Diese betreffen z. B. Nebenwirkungen wie Schwindel oder Konzentrationsstörungen. Auch hilft vielen Frauen nach den Wechseljahren eine Östrogensalbe – diese hat überhaupt keine Nebenwirkungen. Und Botox ist sehr erfolgreich – insgesamt wird die Lebensqualität erheblich verbessert.

Wollen Sie darüber nicht noch einmal nachdenken?

Gruß

Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

2017-06-23T20:50:03+00:006. Mai 2016|

Über den Autor:

Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Herr Prof. Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.