Blaseninfektion – Frage von Anni

Nachtrag von PD Dr. Naumann:

Liebe Anni,

die lokale Hormonbehandlung ist nur ein Baustein in der Behandlung der Überaktiven Blase. Sollte sich die Haut in der Scheide nicht mehr trocken anfühlen und auch kein Juckreiz vorhanden sein, dann ist eine 2-3 x wöchentliche Behandlung völlig ausreichend.

Eine weitere Möglichkeit ist ein professionelles Beckenbodentraining, allerdings nicht im Sinne von Kneifübungen, sondern mit Erlernung von Entspannungsübungen zur weiteren Bekämpfung des Harndranges. Fragen Sie hier nach zertifizierten Physiotherapeuten für den Beckenboden.

Es vielfältige pflanzliche und rezeptierpflichtige Medikamente, lassen Sie sich hierzu in der Apotheke beraten (z.B. Kürbiskernpräparate, Kräuter, Cranberry oder Anticholinergika).

Harndrangbeschwerden sind häufig auch mit psychischen Faktoren verbunden („Die Blase ist der Spiegel der Seele“). Sprechen Sie hier einfach Ihren Arzt des Vertrauens an, ggf. kann eine Gesprächstherapie weiterhelfen.

Priv. Doz. Dr. med. Gert Naumann

Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Helios Klinik Erfurt

Rückfrage von Anni (13.1.2015):

Mir wurde von meiner Urologin vorerst für 3 Monate Oekolpzäpfchen 0,03 mg verordnet. Bei einer Untersuchung von meiner Frauenärztin wurde mir jetzt Oekolpzäpfchen 0,5 mg verordnet. Beides sollte ich 2 x in der Woche anwenden.

Nach 2 Monaten leider noch kein Erfolg. Die Dauer des Toilettenganges hat sich bis zu 1 1/2 Stunden verlängert, das unangenehme Spüren eines Toilettenganges ist geblieben.

Meine Frage, ist die Höhe der mg entscheidend? Wie kann mir psychisch geholfen werden?

Danke für Ihre Antwort.

Antwort von PD Dr. Wiedemann:

Liebe Anni,

Oekolp 0,5 ist aus meiner Sicht richtig – ich empfehle, es in den ersten 14 Tagen täglich, dann erst 2 x die Woche anzuwenden. Ob Sie genug lokale Östrogene haben, kann man am Untersuchungsbefund sehen. Vermutlich brauchen Sie auch zusätzlich ein Medikament zum Dämpfen der Überaktiven Blase – sprechen Sie doch Ihren Urologen an!

Gruß

Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

Rückfrage von Anni (21.11.2014):

Mein Urologe nimmt mir nach mehreren Harninfektionen den Harn per Katheder. Was kann beim Kathedern alles untersucht werden, angeblich auch wegen Reizblase und Harninfekt?

Können Sie mir dies vielleicht genauer angeben, was das Kathedern mit der Reizblase zu tun hat?

Danke

Antwort von PD Dr. Wiedemann:

Sehr geehrte Anni,

ein „Spontanurin“ bei Frauen ist häufig durch Keime aus dem Scheidenvorhof, die ja nicht die aus der Blase sind, verunreinigt. Will Ihr Urologe es genau wissen, lässt er Urin aus der Blase entnehmen. Reizblase und Kathetern hängt indirekt zusammen: Infekte können auch eine Reizblase auslösen bzw. unterhalten. Werden die Infekte behandelt, wird auch die Reizblase besser.

Gruß

Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

Rückfrage von Anni (11.11.2014):

Bitte noch eine Zusatzfrage, aufgrund meines Alters kommt Sex nicht mehr infrage. Meine Hausärztin meinte, aufgrund der Reizblase bekomme ich öfters Blasenentzündung, hat sie da recht. Ich kann nicht verstehen, weshalb?? In welchem Zusammenhang.

Vielleicht könnten Sie mir hierzu noch weiterhelfen. Danke.

Antwort von PD Dr. Wiedemann:

Liebe Anni,

das ist die Frage nach Henne und Ei – im Alter gibt es oft trockene Schleimhäute durch fehlende Östrogene, das macht Reizblase UND infektanfällig. Infekte hinterlassen eine Reizblase….

In dieser Situation kann auch die Anwendung einer Östrogensalbe äußerlich helfen. Die Schleimhäute saugen das Hormon geradezu auf – auch das häufig vorhandene Trockenheitsgefühl lässt nach. Nebenwirkungen durch Hormone wie Gewichtszunahme o. ä. sind bei einer äußerlichen Anwendung nicht zu befürchten.

Gruß

Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

Ursprüngliche Frage von Anni:

War heute wegen mehrmaligen Blasendranges bei der Hausärztin, Urin abgegeben, Leukozyten, Ergebnis heißt Blasenentzündung. Auf meine Anfrage, evtl. beim Baden, hieß es, bei einer Reizblase ist das oft der Fall.

Hatte in diesem Jahr bereits zum 3. Mal Blasenentzündung, auch ohne baden zu gehen. Besteht bei einer Reizblase öfters Blasenentzündung , weshalb ist mir aber unerklärlich. Nehme nun Antibiotikum wieder mal ein. Nehme Cranberry ständig ein, warme Kleidung, was kann die Ursache sein?

Danke für Ihre Nachricht.

Antwort von PD Dr. Wiedemann:

Liebe Anni,

die Thematik ist komplex. Bei der kurzen, nur 3 cm langen Harnröhre der Frau können leichter als beim Mann Keime eindringen. Auslöser ist hier weniger das Baden, sondern der Geschlechtsverkehr. Wir wissen heute, dass bei jeder Frau bei jedem Verkehr Keime in die Blase kommen – nur wird nicht bei jeder Frau eine Infektion daraus. Es sind übrigens die Keime der Frau, nicht die des Mannes.

Wenn Cranberry nichts nutzt, gibt es Alternativen: z. B. Goldrutenkraut, D-Mannose (selbst zu kaufen), aber auch bestimmte Antibiotika niedrig dosiert täglich abends über 3 Monate oder als „Pille danach“. Auch eine Impfung gegen bestimmte Keime ist möglich. Am besten sprechen Sie Ihren Arzt darauf an.

Gruß

Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

2015-01-28T14:10:27+00:0028. Januar 2015|

Über den Autor:

Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Herr Prof. Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.