Überaktive Blase und Dranginkontinenz – Info und Video 2018-05-22T18:35:20+00:00

Was sind Überaktive Blase und Dranginkontinenz?

Überaktive Blase – was ist das?

Ein anfallsartiger, plötzlich auftretender Harndrang charakterisiert die Überaktive Blase. Dieser Drang kann nur mit größter Mühe unterdrückt werden.
Diese Symptomatik führt typischerweise zu häufigen Blasenentleerungen.

Die englische Bezeichnung der Überaktiven Blase lautet Overactive Bladder.

Wein AJ, Chapple CR, Overactive Bladder in Clinical Practice, Springer-Verlag 2012, S. 1
Corcos J, MacDiarmid S, Heesakkers J (Hrsg.), Overactive Bladder: Practical Management, Blackwell Publ 2015, S. 3
Perucchini D, Overactive Bladder – Fragen und Antworten, Uni-Med Verlag 2014, S. 20.

Überaktive Blase – mit oder ohne Inkontinenz

Führt der plötzliche Harndrang nicht zu unwillkürlichem Harnverlust spricht man auch von trockener Überaktiver Blase oder Reizblase.
Bei etwa einem Drittel der Patienten kommt es zu unwillkürlichem Harnverlust, dann spricht man von Dranginkontinenz.

Perucchini D, Overactive Bladder – Fragen und Antworten, Uni-Med Verlag 2014, S. 20.

Was sind die Ursachen einer Überaktiven Blase?

Wie entsteht eine Überaktive Blase? Grund ist, dass die Regulation der Blasenentleerung gestört ist und dadurch sinnlose Blasenkontraktionen entstehen. Die Ursache dieser Störungen ist bis heute nicht eindeutig geklärt, es sind jedoch verschiedene Auslöser identifiziert.

Wein AJ, Chapple CR, Overactive Bladder in Clinical Practice, Springer-Verlag 2012, S. 29 ff
Perucchini D, Overactive Bladder – Fragen und Antworten, Uni-Med Verlag 2014, S. 26.

Überaktive Blase bei Frauen und Männern

Die Häufigkeit der Überaktiven Blase steigt mit dem Alter an.

Umbauvorgänge nach den Wechseljahren sind wahrscheinlich ein wichtiger Auslöser bei Frauen.

Bei Männern ist eine Prostatavergrößerung der häufigste Auslöser einer Überaktiven Blase, da die Blase den Urin mit vermehrter Muskelkraft durch die verengte Harnröhre pressen muss. Dieser erhöhte Druck führt zu einer erheblichen Belastung der Blase, die unter anderem mit „Reizblasenbeschwerden“ reagiert.

Cardozo L, Robinson D. Urology 2002; 60 (Suppl 1): 64–71.
Corcos J, MacDiarmid S, Heesakkers J (Hrsg.), Overactive Bladder: Practical Management, Blackwell Publ 2015, S. 118 ff.

Weitere Ursachen einer Blasenüberaktivität

Neben der sog. idiopathischen Überaktiven Blase gibt es verschiedene Ursachen für eine Blasenüberaktivität.

Beispielsweise können Blasenentzündungen, -steine oder -tumoren den Meldemechanismus ans Gehirn stören, so dass es zu reflexartigen Blasenkontraktionen kommt.

Morbus Parkinson und Multiple Sklerose sind Erkrankungen des zentralen Nervensystems mit schweren Schädigungen der Nerven, die zu komplexen Blasenentleerungsstörungen führen können. Man spricht auch von neurogener Blase.

Ein schlecht eingestellter Diabetes mellitus kann auf lange Sicht die Nervenfasern in der Blasenmuskulatur erheblich schädigen, so dass eine diabetische Zystopathie mit Überaktiver Blase entstehen kann.

Zahlreiche Medikamente begünstigen eine Blasenüberaktivität. Die wichtigsten sind Antidepressiva, Calciumantagonisten, Diuretika, Cholinergika, Antidementiva, Betablocker, Herglykoside.

Perucchini D, Overactive Bladder – Fragen und Antworten, Uni-Med Verlag 2014, S. 30, 87
Schickinger J, Inkontinenz, Verlag Stiftung Warentest 2014, S. 77
Wiedemann A, Füsgen I, Eur J Ger 10 (2008): 145; Wiedemann A, Eur J Ger 11 (2009): 30 – 35