Harninkontinenz durch Medikamente – Infos und Video 2017-07-07T13:20:27+00:00

Können Medikamente zu Blasenschwäche führen?

Ja. Die Fähigkeit, Urin zu speichern und willentlich zurückzuhalten, wird als Kontinenz bezeichnet. Sie ist ein komplexes Geschehen, bei dem der Blasenmuskel, die Blasenfüllung und die Schließmuskeln wesentliche Rollen spielen.
Zahlreiche Medikamente können auf den Blasenmuskel, auf die Wahrnehmung der Füllung oder die Schließmuskeln einwirken und somit die Kontinenz beeinflussen.

Erhöhung der Kontraktionskraft des Blasenmuskels

Parasympathomimetika sind Medikamente, die die Wirkung des Parasympathikus nachahmen. Cholinesterasehemmer hemmen den Abbau des Botenstoffs Acetylcholin. Beides führt zu einer Erhöhung der Kontraktionskraft des Blasenmuskels.
Die Folge können ein erhöhter Harndrang und häufiges oder nächtliches Wasserlassen sein. Auch eine Dranginkontinenz kann ausgelöst werden.

Hemmung der Blasenmuskels

Den umgekehrten Effekt, die Hemmung der Blasenmuskulatur, können Antiparkinson-Mittel, Antidepressiva, Neuroleptika und Anticholinergika auslösen.
Als Folge könnte sich die Blase nicht mehr vollständig entleeren. Es würde Restharn in der Blase verbleiben, im Ernstfall könnte es zum Harnverhalt kommen.

Einfluss auf die Wahrnehmung der Blasenfüllung

Auch die Wahrnehmung der Blasenfüllung kann eine Rolle spielen.
Normalerweise melden Dehnungsrezeptoren dem Gehirn, wann eine Blasenentleerung notwendig ist. Opioide können durch ihre beruhigende Wirkung diese Wahrnehmung reduzieren.
Die Folge kann eine übervolle bis überdehnte Blase sein, die sich reflexartig und unkontrolliert entleert.

Einfluss auf den äußeren Schließmuskel

Die Kontraktion des äußeren Schließmuskels lässt unter der Wirkung von Muskelrelaxanzien nach – damit verringert sich die Stärke des Harnröhren-Verschlusses.
Die Folge kann eine Belastungsinkontinenz sein, also ungewollter Urinverlust bei mechanischer Belastung des Bauchraums durch Husten, Niesen oder Springen.

Einfluss auf den inneren Schließmuskel

Der innere Schließmuskel wird ausschließlich durch das autonome Nervensystem gesteuert.
Alpha-1-Blocker hemmen seine Kontraktion und können damit die Stärke des Verschlusses verringern. Auch Alpha-1-Blocker können damit theoretisch eine Belastungsinkontinenz auslösen, also zu ungewolltem Urinverlust bei Belastung führen.

Übersicht der Medikamente mit Einfluss auf die Kontinenz

Wenn Sie Medikamente einnehmen, die zu einer der folgenden Gruppen gehören, sollten Sie mit Ihrem Arzt sprechen!

Alpha-1-Blocker, ACE-Hemmer, Anticholinergika, Antidepressiva, Antihistaminika, Antisympathotonika, Benzodiazepin-Derivate, Calciumkanalblocker, GABA-Strukturanaloga, Statine, Lithium, MAO-B-Hemmer, Muskelrelaxantien, Mukolytika, Neurokinin-1-Rezeptor-Antagonisten, Neuroleptika, Nicht-steroidale Antirheumatika, NMDA-Rezeptorenhemmer, Noradrenalin-, Dopamin-Wiederaufnahmehemmer, Opioide, Parasympatholytika, Parasympathomimetika, Phosphodiesterasehemmer, Selektive Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (NARI), Selektive Noradrenalin-/ Serotonin-Wiederaufnahme-hemmer (SNRI), Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), Serotonin-Agonisten, Sympathomimetika, Vitamin-D-Derivate.