Reizblase durch zu viel trinken – Frage von Anonym

Hallo,

ich hatte vor ca 2 Monaten eine schlimme Blasenentzündung mit deutlich sichtbarem Blut im Urin und sehr starken Beschwerden und dauerhaftem, starkem Brennen. Behandelt wurde mit Fosfomycin, was auch zunächst gut anschlug. Nach 3 Tagen war der Infekt aber zurück und wurde mit 5 Tagen Ciprofloxacin behandelt. Danach habe ich auf „eigene Faust“ noch 5 Tage Cystinol akut genommen. Dazu Canephron und Preiselbeersaft. Anschließend bin ich auf Femannose, Canephron, Ackerschachtelhalm-Tee und Preiselbeersaft umgestiegen, um einen Rückfall zu vermeiden, zumal es nach wie vor ab und zu beim Wasserlassen gegen Ende des „Geschäfts“ gebrannt hat. Es wurde in den letzten 2 Monaten mehrfach der Urin kontrolliert, weil ich auf Grund des Brennens Angst hatte, die Entzündung wäre zurück: Stick, Mikroskop und Test auf Bakterien- und Pilzwachstum. Immer mit negativem Ergebnis. Aber die Beschwerden sind geblieben. Inzwischen habe ich alle Medikamente nach und nach abgesetzt. Lediglich Preiselbeersaft und Femannose habe ich bis gestern noch genommen und ich trinke seit der Entzündung etwa 6 – 7 Liter Wasser täglich. Das ganze ist jetzt 2 Monate her und die Beschwerden treten zwar nicht immer auf, werden aber schlimmer, wenn sie auftreten. Ich habe inzwischen neben dem ab und zu auftretenden, krampfartigen Schmerz beim Wasserlassen auch häufig starken krampfartigen Harndrang für wenige Sekunden, wenn die Blase gefüllt ist. Insbesondere beim Bücken oder bei Kontakt mit Wasser. Dabei kann durchaus auch unkontrolliert Urin verloren gehen, was in der letzten Woche deutlich häufiger und mehr Volumen geworden ist, trotz langem Warten vor dem Wasserlassen. Es belastet mich zunehmend stark, da die Menge inzwischen auch so viel sein kann, dass die Slipeinlage komplett nass werden kann. Ein Urologe hat vor zwei Wochen, als es noch maximal ein paar Tropfen waren, Ultraschall gemacht und gesagt, alles wäre soweit ok und hat mir versikur verschrieben. Ich habe aber Angst das zu nehmen, weil darauf steht, dass es zu Harnverhalt und Blasenentzündung führen kann. Und dann würde ich ja wieder von vorne anfangen. Außerdem hat mein Apotheker mir geraten, das Medikament anzufangen, wenn ich ein paar Tage nicht Auto fahren muss, weil es zu starker Müdigkeit und verschwommenem Sehen führen könnte. Ich wohne aber auf dem Land und bin auf mein Auto angewiesen. Ich bin inzwischen echt verzweifelt und weiß auch nicht so recht, an wen ich mich damit wenden kann. Der behandelnde Urologe genießt mein Vertrauen nicht mehr so wirklich, da ich ihn quasi erst auf die Idee bringen musste, dass es eine Reizblase sein könnte. Gynäkologisch ist alles in Ordnung.

Kann die überaktive Blase auch einfach durch die große Menge an Wasser verursacht/besonders gereizt werden? Im Internet findet man widersprüchliche Informationen dazu. Lohnt es sich, zunächst einfach mal die Trinkmenge bin 6-7 Litern zu reduzieren? Welche Menge wäre ratsam? Und wie komme ich an Beckenbodengymnastik und weitere hilfreiche Maßnahmen?
Vielen Dank, dass sie sich die Zeit nehmen, hier Fragen zu beantworten.
Viele Grüße!

Antwort von Prof. Wiedemann:

Liebe Dame,

Sie bewegen sich gerade in einem Teufelskreis aus Infektion und Reizblase. Die Vielzahl von pflanzlichen Medikamenten und die extreme Trinkmenge haben hier vermutlich auch ein Übriges getan.

Ich sehe nur einen Weg: Alle Medikamente und Phythos absetzen, normal trinken (1½ bis 2 Liter pro Tag) und nach einer Pause von 1-2 Wochen eine komplette Untersuchung inkl. Blasenspiegelung. Von der Einnahme von Medikamenten wie Vesikur würde ich ohne genaue Indikation bei Ihnen abraten.

Mit freundlichen Grüßen,

Prof. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

2018-05-06T13:10:42+00:00 6. Mai 2018|

Über den Autor:

Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Herr Prof. Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.