Können Nonnen und Sportlerinnen inkontinent werden?

Diese Frage zielt auf die Belastungsinkontinenz ab, die klassischerweise bei Frauen nach Geburten auftritt. Unter Belastungsinkontinenz wird Urinverlust beim Husten, Lachen oder bei Bewegung verstanden.

Lange Zeit wurde angenommen, dass die Überdehnung des Beckenbodens die Hauptursache für die Belastungsinkontinenz sei. Vermutlich sind die Zusammenhänge aber komplizierter: So kommt es unter der Geburt auch zu einer Dehnung des N. pudendus, des Nerven, der die Beckenbodenmuskulatur mit Nervenimpulsen versorgt.

Geburtsunabhängige Mechanismen sind eine nachlassende Qualität der bindegewebigen und elastischen Fasern des Beckenbodens, eine schlechte Versorgung mit weiblichen Geschlechtshormonen, den Östrogenen und ein drastisches Übergewicht.

Das heißt aber auch im Umkehrschluss, dass Frauen, die nie geboren haben oder auch sehr sportliche Frauen eine Belastungsinkontinenz erleiden können. Untersuchungen an Sportstudentinnen geben den Prozentsatz der Betroffenen mit ungefähr 20% schon unter 30 Jahren an.

Natürlich können auch Nonnen und Sportlerinnen andere Inkontinenzformen bekommen: Eine Überaktive Blase mit häufigem und nötigem Harndrang oder eine Überlaufinkontinenz mit schlechter Blasenentleerung kann bei jedem Menschen, bei Mann und Frau und sogar schon bei Kindern auftreten.

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2016-11-05T12:18:17+00:00 12. November 2013|

Über den Autor:

Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Herr Prof. Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.