Was tun bei Mundtrockenheit unter anticholinerger Therapie?

Mundtrockenheit ist die Hauptnebenwirkung unter der Behandlung einer Überaktiven Blase mit einem Anticholinergikum. Diese Medikamente dämpfen den Teil des unwillkürlichen Nervensystems, das die Blase – aber auch die Speicheldrüsen mit Nervenimpulsen versorgt. Keine Substanz, die auf dem Markt ist, vermag zwischen beiden „Zielgebieten“ zu unterschieden – alle führen bei etwa einem Viertel aller Studienpatienten, die gezielt nach Mundtrockenheit gefragt werden, zu einer Reduktion der Speichelproduktion und damit zur Mundtrockenheit. Ausnahme ist hier Oxybutynin, das als ältere Substanz zu eher mehr Mundtrockenheit führt.

Ein trockener Mund ist für den Betroffenen unangenehm, hat aber nichts mit dem Erfolg der anticholinergen Therapie an der Blase zu tun. Im Gegenteil: die Dämpfung der Speicheldrüsen kann auch als Erfolgsanzeichen interpretiert werden. Glücklicherweise ist die Mundtrockenheit in den meisten Fällen ein vorübergehender Effekt, der sich in den ersten Tagen der Therapie einstellt und häufig nach 2 – 3 Wochen wieder verschwindet.

Leidet ein Patient unter einer Mundtrockenheit, kann eine Dosisreduktion bzw. eine langsame Dosissteigerung hilfreich sein. Dies ist natürlich nur mit Medikamenten aus der Gruppe von Anticholinergika möglich, die nicht in einer Einmalgabe vorliegen, sondern in verschiedenen Dosisstufen langsam gesteigert werden können.

Ein weiterer Trick hat sich in meiner Sprechstunde bewährt: Häufig gebe ich die erste Dosis abends vor dem Schlafengehen, damit eine eventuelle Mundtrockenheit „verschlafen“ wird. Viele Patienten helfen sich instinktiv selbst, sie lutschen Bonbons, nehmen öfter einen Schluck Wasser zu sich oder kauen Kaugummi.

Es gilt der Leitsatz: Wem das Anticholinergikum an der Blase hilft, ist auch bereit, sich mit einer vorübergehenden Mundtrockenheit zu arrangieren.

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2016-11-05T12:18:17+00:00 14. Oktober 2013|

Über den Autor:

Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Herr Prof. Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.