Ich soll ein Miktionstagebuch führen. Was bringt das? Meine Blasenschwäche wird das wohl kaum verbessern …

Das Miktionstagebuch ist sowohl für den Arzt als auch für den Patienten ein sehr wertvolles Hilfsmittel zur Erkennung von Auffälligkeiten bei Trink- und Toilettenverhalten und kann häufig zu einer deutlichen Verbesserung von Beschwerden führen. Das Miktionstagebuch erfasst Menge und Frequenz der täglichen Flüssigkeitsaufnahme sowie der Häufigkeit der Miktion und Menge des Urins sowie das Auftreten von Inkontinenz oder Harndrang. Viele Patienten wissen nicht genau, wieviel sie eigentlich trinken oder wie groß die Menge des Urins beim Wasserlassen ist.

Ein blasengesunder Mensch sollte am Tag ca. 1,5 – 2 Liter trinken, 6-8 x Wasserlassen pro Tag, und ggf. einmal nächtliches Wasserlassen sind auch völlig normal. Die normale Menge an Urin pro Wasserlassen beträgt normalerweise ca. 250-400 ml.

Viele Menschen trinken zu wenig, gerade wenn sie häufig eine Toilette aufsuchen müssen. Andererseits führt ein sehr reichliches Trinken über 3 l auch zu häufigen Miktionen. Ich gebe Ihnen ein einfaches Beispiel für die Nützlichkeit des Miktionstagebuches:

Die Patientin muss nachts mehrfach die Toilette aufsuchen, die Menge der einzelnen Portionen beträgt 250-300 ml. Auf Nachfrage erklärt sie, am Abend noch 1-2 Flaschen Wasser zu trinken. Einfache Lösung: die Trinkmenge am Abend reduzieren und in den Tag vorverlegen, dann nimmt das nächtliche Wasserlassen deutlich ab.

Eine andere Patientin muss nachts ebenfalls die Toilette 3-4x aufsuchen. Die einzelnen Urinportionen betragen immer nur ca. 50 ml. Hier wird eine weitere Abklärung und dann medikamentöse Therapie eine deutliche Besserung erbringen. So kann das Miktionstagebuch wertvolle Hilfen für eine Behandlung geben.

2018-02-17T12:14:53+00:00 17. Februar 2018|

Über den Autor:

PD Dr. Gert Naumann
Herr PD Dr. G. Naumann ist Chefarzt des Fachbereichs Frauenheilkunde und Geburtshilfe im HELIOS Klinikum Erfurt und Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen.