Gibt es Medikamente, die zu Blasenschwäche führen können?

Die Frage, ob Medikamente eine Harninkontinenz auslösen können, ist durchaus berechtigt. Viele Medikamente beeinflussen den Harntrakt, so dass diese eine vorhandene Harninkontinenz verschlimmern können oder aber Harntraktbeschwerden auslösen können.

  • So wissen wir, dass viele Beruhigungsmedikamente, die sich von Valium herleiten, den Beckenboden erschlaffen lassen und somit einen Urinverlust bei Husten, Lachen, Niesen oder Lageveränderung („Belastungsinkontinenz“) verschlimmern können.
  • Eine Reihe von Arzneimitteln führen zu häufigem Wasserlasen, zu „nötigem“ Harndrang und vertragen sich somit nicht mit einer „Überaktiven Blase“. Hierzu gehören wassertreibende Herzmittel, Demenzmittel und neuerdings auch Medikamente gegen Diabetes mellitus. Die sog. „Diflozine“ führen durch eine Glucose-Ausscheidung im Urin zu einem häufigen Wasserlassen tags und nachts.
  • Andere Medikamente wiederum, die z. B. gegen Allergien oder bei neurologischen Leiden wie der Parkinson-Krankheit eingesetzt werden, reduzieren die Blasenaktivität. Sie können zu einer unvollständigen Blasenentleerung bis hin zum Harnverhalt führen.

Sollte ein Patient den Verdacht hegen, dass Harntraktbeschwerden mit der Einnahme eines Medikamentes z. B. für ein Herzleiden oder eine neurologische Erkrankung mit einer Blasenschwäche oder Harntraktbeschwerden in Zusammenhang stehen, sollte er diesen Verdacht unbedingt dem behandelnden Arzt mitteilen. Dieser kann in Datenbanken oder in der Fachliteratur nachschauen und im Bedarfsfalle die Medikation anpassen.

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2018-01-09T14:11:13+00:00 9. Januar 2018|

Über den Autor:

Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Herr Prof. Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.