Harninkontinenz – Frage von Maria

Ich bin 30 Jahre alt und arbeite seit einem halben Jahr in einem Beruf, wo ich jeden Tag schwer heben muss. Merke jetzt seit ein paar Wochen, dass ich Urin verliere, auch ohne Belastung, kann den Urinstrahl nicht mehr halten. Würden mir die Übungen wieder helfen, die auf Ihrer Seite aufgeführt sind, oder brauche ich kräftigere Übungen oder muss ich länger trainieren ? Muss ich ab jetzt jeden Tag trainieren, um wieder gesund zu werden? Oder reicht es 2-3 mal die Woche?

Danke, Maria

Antwort von PD Dr. Wiedemann:

Hallo Maria,

grundsätzlich gibt es 2 große Inkontinenzformen: 1. die „Belastungsinkontinenz“ mit Urinverlust bei Belastung wie Heben, Pressen, Husten, Lachen und 2. die „Reizblase“ oder „Überaktive Blase“ mit Urinverlust mit starkem Harndrang sozusagen auf dem Weg zur Toilette.

Bei der Belastungsinkontinenz hilft Beckenbodentraining sehr – am besten, wenn es ein Fachmann erklärt. So könnte etwa der Hausarzt, der Gynäkologe oder Urologe „Beckenbodenphysiotherapie“ verschreiben, ein Physiotherapeut/in würde mit Ihnen üben; Sie müssten die Übungen dann zuhause weiter fortführen.

Bei der „Überaktiven Blase“ hilft Beckenbodentraining nur bedingt; hier ist eher eine medikamentöse Therapie mit Medikamenten, die die Blase beruhigen, gefragt. Grundsätzlich gilt, dass es für beide Inkontinenzformen Gründe geben kann, die behebbar sind. Ich würde also dazu raten, einen Arzt aufzusuchen, der nach solchen Ursachen (Senkung? Infektion?) sucht, dann könnte Ihnen noch besser geholfen werden.

Gruß

Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

2014-10-26T19:03:01+00:00 26. Oktober 2014|

Über den Autor:

Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Herr Prof. Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.