Warum bekommen Frauen häufiger Harnwegsinfekte?

Die Antwort ist einfach: Die Harnröhre der Frau ist nur 3 cm lang – damit besteht eine nur 3 cm lange Abwehrbarriere zur Außenwelt; während es beim Mann 15 cm sind. Keime – auch Krankheitserreger – kommen im Scheidenvorhof jeder Frau vor; dies hat nichts mit mangelnder Hygiene zu tun, sondern ist Ausdruck der Nähe zur Darmöffnung.

Diese Keime werden von der „guten“ Scheidenflora, den Döderlein-Bakterien in Schach gehalten. Sie gelangen bei jedem Geschlechtsverkehr bei jeder Frau in die Blase; nur erwächst nicht jedes Mal eine Infektion daraus. Ob eine Blasenentzündung entsteht, hängt von vielen Faktoren ab: Abwehrkräfte der Frau, Hormonstatus, Menge der eingedrungenen Bakterien, Art der eingedrungenen Bakterien, Vorhandensein von Anomalien oder einer gestörten Blasenentleerung….

Nur wenige dieser Faktoren können beeinflusst werden:

  • So kann bei einem Östrogenmangel der Frau nach den Wechseljahren dieser mit einer lokalen Hormonbehandlung beseitigt werden: Salben oder Zäpfchen bauen die Schleimhaut wieder auf.
  • Werden anatomische Veränderungen wie z. B. eine eingeengte Harnröhre gefunden, sollte dies operativ verbessert werden.

Häufig bleibt aber nur, eine „Prophylaxe“ zu betreiben: Blasenentleerung nach dem Verkehr, reichliches Trinken, Verzicht auf atypische Sexualpraktiken und ggf. die Einnahme von Medikamenten. Diese medikamentöse Prophylaxe umfasst eine langfristige Gabe z. B. von pflanzlichen Präparaten wie Cranberry oder Goldrute; eine weitere Strategie ist die Einnahme eines schwachen Antibiotikums einmalig nach dem Verkehr.

2014-06-24T18:37:10+00:00 24. Juni 2014|

Über den Autor:

Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Herr Prof. Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.