Blasenschwäche und Senkung – wie kann das zusammenhängen?

In der Tat beklagen viele Frauen sowohl Beschwerden einer Blasenschwäche als auch Senkungsbeschwerden einer Genitalsenkung von Gebärmutter oder/und Scheide.

Das hängt mit der gemeinsamen Grundursache einer deutlichen Bindegewebsschwäche bei Frauen zusammen. Durch ein erschlafftes Bindegewebe in Zusammenhang mit Spontangeburten, Unterleibsoperationen oder schwerer körperlicher Tätigkeit kann es zu einem Tiefertreten von Gebärmutter und/oder Scheidenwänden kommen, ähnlich wie ein Nabel- oder Leistenbruch. Dies verursacht dann Beschwerden wie Fremdkörpergefühl, Einklemmungsbeschwerden, Schmerzen, Blutungen usw.

Zudem kann die Bindegewebsschwäche auch eine Verschluss-Schwäche der Harnröhre bewirken, die sich dann in einer speziellen Form der Blasenschwäche, der Belastungsinkontinenz äußert. Gelegentlich wird durch eine deutliche Scheidensenkung die Harnröhre abgeknickt und versteckt somit eine eigentlich bestehende Harninkontinenz. Erst nach Korrektur der Senkung durch z. B. Einlage eines Pessars oder eine Operation tritt diese dann offen zu Tage.

Häufiger findet sich durch eine ausgeprägte Senkung der Blase eher eine erschwerte Blasenentleerung mit hohen Restharnwerten. Der Urin läuft dann ständig über, wir sprechen hier von einer Überlaufinkontinenz, die nicht mit einer Verschluss-Schwäche der Harnröhre, sondern mit einer erschwerten Blasenentleerung zusammenhängt.

2017-08-30T13:55:14+00:00 17. August 2017|

Über den Autor:

PD Dr. Gert Naumann

Herr PD Dr. G. Naumann ist Chefarzt des Fachbereichs Frauenheilkunde und Geburtshilfe im HELIOS Klinikum Erfurt und Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen.