Blase trainieren nach Harnleiterinfektion? – Frage von Olivia

Ich bin 28 und durchaus gesund, habe vor kurzem meinen 1. Harnwegsinfekt gehabt (davor noch nie). Ich habe Antibiotika genommen und laut Urologe ist mein Harn jetzt bakterienfrei, ich bin „geheilt“. Ich muss aber nach wie vor in wirklich kurzen Abständen auf die Toilette gehen. Dabei kommt meistens auch immer recht viel Harn heraus. Kurz nachdem ich auf der Toilette war und mich komplett entleert habe, kommt der Drang schon wieder, und gebe ich diesem Drang nach, kommt auch wirklich wieder viel Harn raus (also kein Tröpfeln, sondern ein normaler Strahl). Ich rede hier von ca. 20-30 Minuten Abständen. Ich habe aber schon festgestellt, wenn ich längere Abstände einhalte, zb 2 Stunden, kommt der Harndrang nach der Entleerung auch erst ein wenig später wieder, und ist auch weniger stark. Bisher habe ich diese längeren Abstände aber nicht konsequent durchgehalten, oft dachte ich nach einem längeren Aushalten und einer kleinen Besserung, dass es schon ok ist, wieder nach zb 30min. die Blase zu entleeren. Aber dann geht das Ganze wieder von vorne los, wieder sofortiger Drang nach dem Entleeren und wieder stärker. Meine Frage nun, kann es sein dass meine Blase sich nach dem Harnwegsinfekt und dadurch 2 Wochen Urinieren in so kurzen Abständen gar nicht mehr auskennt und mittlerweile auf diese kurzen Abstände eingestellt ist? Ich möchte einfach wieder zurück zu meinem „normalen“ Harndrang und Toilettenbesuchsabständen. Soll ich konsequent 3 Stunden Abstände durchziehen über mehrere Tage, um meine Blase wieder zum „normalen“ Zustand, wie es vor dem Infekt war, hinzutrainieren? Danke!!!

P.S.: Auf Diabetes habe ich mich beim Hausarzt untersuchen lassen, Blutzuckerspiegel war ok. Plus zu Hause habe ich den Urin morgendlich mit Teststreifen auf Zucker getestet, auch immer negativ.

Antwort von PD Dr. Wiedemann:

Liebe Olivia,

die von Ihnen geschilderte Symptomatik entspricht exakt der einer Überaktiven Blase. Dies kann „infektgetriggert“ sein, aber auch als eigenständiges Krankheitsbild auftreten.

Ihnen kann auf jeden Fall geholfen werden – es sollte nochmalig ein Infekt ausgeschlossen werden (bzw. das Überdauern von Bakterien), dies kann mit einer neuerlichen Urinkultur, einer Spiegelung usw. urologischerseits geschehen.

Ist definitiv kein Infekt mehr da, sollten Sie sog. Anticholinergika erhalten, d. h. Substanzen, die die Blase dämpfen. Dies geschieht heute effektiv und nebenwirkungsarm. Alleine mit „Training“ werden Sie Ihr Problem nicht in den Griff bekommen.

Gruß

Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

2014-04-06T20:30:01+00:00 6. April 2014|

Über den Autor:

Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Herr Prof. Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.