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Belastungsinkontinenz durch Beckenbodenschwäche 2017-07-03T13:11:12+00:00

Was bedeutet Belastungs-Inkontinenz?

Unter Belastungsinkontinenz versteht man Urinverlust in Folge einer Belastung des Bauchraums, z. B. bei Lachen, Heben, Husten, Niesen oder Hüpfen. Ursache ist eine Schwäche der Beckenbodenmuskulatur.

Häufige Fragen zu Belastungsinkontinenz

von unseren Experten für Sie beantwortet

Unter Belastungsinkontinenz (früher: Stressinkontinenz) versteht man Urinverlust in Folge einer Belastung des Bauchraums, z. B. bei Lachen, Husten, Niesen oder Hüpfen.

Ursache der Belastungsinkontinenz ist eine Schwäche des Beckenbodens. Früher sprach man von Stress-Inkontinenz.

Ein gesunder, kräftiger Beckenboden trägt erheblich zum Verschluss der Harnröhre bei und verhindert somit den Urinverlust. Deshalb ist eine der wichtigsten therapeutischen Maßnahmen bei Belastungsinkontinenz, den Beckenboden zu stärken. Ein regelmäßiges Beckenbodentraining ist auch vorbeugend sinnvoll.

Auch bei Überaktiver Blase zeigt Beckenbodentraining positive Wirkungen.

Der Beckenboden ist der bindegewebig-muskulöse Boden der Beckenhöhle, durch den u.a. die Harnröhre hindurchtritt. Er spielt beim Verschluss der Harnröhre eine erhebliche Rolle.

Der Beckenboden ist wie eine Hängebrucke konstruiert, so dass Druck im Bauchraum in Druck auf die Harnröhre umgewandelt wird. Höherer Druck (z.B. bei Husten, Niesen, Hüpfen) führt damit zu einem stärkeren Verschluss – der Urin bleibt in der Blase.

Voraussetzung für die Effektivität der Konstruktion ist es, dass der Beckenboden selbst stabil ist und sich im rechten Winkel zur Harnröhre befindet. Ist der Beckenboden schwach und instabil, kann es zur Belastungsinkontinenz kommen (Urinverlust durch Belastung des Bauchraums wie Husten oder Niesen).

Nachweislich wirksam sind beispielsweise Beckenbodentraining, Elektrostimulation, Biofeedback und Rütteltraining. In allen Fällen geht es um eine Verbesserung der Beckenbodenfunktion. In schweren Fällen kann eine Operation helfen.

Beckenbodentraining ist Teil einer auf den gesamten Körper ausgerichteten Krankengymnastik. Ziele sind die Stärkung und Straffung der Beckenbodenmuskulatur und darüber hinaus eine Verbesserung der Körperhaltung. Eine schlechte Körperhaltung kann den Druck im Becken-Bauchraum negativ beeinflussen.

Bei der Elektrostimulation werden die Beckenbodenmuskeln mit niedrigem elektrischem Strom aktiv angeregt, um die Wahrnehmung des Beckenbodens zu stärken.

Beim Biofeedback geht es darum, die Fähigkeit zum bewussten An- und Entspannen der Beckenbodenmuskeln zu trainieren und weiter zu verbessern.

Das Rüttel- oder Vibrationstraining hat zum Ziel, die Muskulatur anzuregen und für eine gute Körperbalance zu sorgen.

Grundsätzlich sollte Übergewicht vermieden bzw. reduziert werden, um den Beckenboden zu entlasten.

Es gibt auch ein Medikament, das durch Erhöhung von Botenstoffen im Gehirn dazu führen soll, dass sich der äußere Schließmuskel kräftiger zusammenziehen kann. Es steht nur Frauen zur Verfügung.

In schweren Fällen kann Frauen operativ ein Netzband implantiert werden, das die mittlere Harnröhre spannungsfrei stabilisiert.

Eine Belastungsinkontinenz kommt wesentlich häufiger bei Frauen vor. Eine wichtige Ursache ist der Wegfall des Sexualhormons Östrogen nach den Wechseljahren, der zur Rückbildung von Muskulatur und Bindegewebe des Urogenitaltrakts führt. Auch ein vererbter Mangel an elastischen Elementen im Beckenboden und ein Trainingsmangel können zu einer Beckenbodenschwäche führen.

Ein hohes Risiko für Schädigungen des Beckenbodens stellen Geburten dar. Häufig kommt es zu Schädigungen der Muskulatur und Nerven des Beckenbodens. Wird z. B. der Nervus pudendus, der entlang der Scheide der Frau läuft, bei einer Geburt gequetscht, leitet er Nervenimpulse nur noch langsam und unvollständig an die zuständigen Muskeln weiter.

Bei Männern ist eine Belastungsinkontinenz selten, da die Prostata die Stabilität des Verschluss-Systems kräftig erhöht. Daher entsteht eine Belastungsinkontinenz bei Männern in der Regel durch äußere Einflüsse wie Operationen oder Unfälle. Allerdings kann eine starke Vergrößerung der Prostata die Stabilität des Verschluss-Systems verschlechtern.

Wissenschaftlich lässt sich vor allem die Belastungsinkontinenz nach Schweregraden einteilen:

Eine Belastungsinkontinenz Grad 1 nach Ingelman-Sundberg ist Urinverlust beim Husten und Lachen, Grad 2 bei Heben und Aufstehen, Grad 3 sogar bei Umwendbewegungen im Bett.

Der Vorlagen-Test (Pad-Test) beschreibt ein standardisiertes Testverfahren zur Bestimmung des Urinverlustes bei Belastungsinkontinenz. Dazu wird geprüft, wieviel Urin nach Husten, Laufen etc. ungewollt in die Vorlage abgegeben wird. Bei diesem Test wird die Schwere in 4 Grade eingeteilt: Grad I: bis 2 ml Harnverlust, Grad II: 2 – 10 ml, Grad III: 10 – 50 ml, Grad IV: über 50 ml.

Wenn konservative Maßnahmen wie Beckenbodengymnastik u.a. nicht mehr helfen, kann ein sog. spannungsfreies Vaginalband eingesetzt werden. Dieses wird von der Scheide aus um die Harnröhre gelegt. Es ersetzt körpereigene Bandstrukturen, die bei Beckenbodenschwäche erschlafft sind und die Blase und die Harnröhre bei Belastung nicht mehr halten können.

Die Erfolgsquoten dieser Operationsmethode sind gut. Rund 80% der Patienten zeigen auch noch 10 Jahre nach der Bandoperation keine Blasenschwäche.

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Die wichtigsten Informationen und Videos zu Belastungsinkontinenz

Belastungsinkontinenz bedeutet Urinverlust bei mechanischer Belastung des Bauchraums, z.B. bei Husten, Niesen oder Hüpfen. Ursache ist eine Beckenbodenschwäche.

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WIe wird Belastungsinkontinenz behandelt? (Textversion)

Prof. Dr. Sökeland gibt einen kurzen Überblick zum Thema Harninkontinenz.

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Welche Funktion hat der Beckenboden? (Textversion)

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