Wieso hilft Beckenbodentraining auch bei Reizblase?

Zur Beantwortung dieser Frage muss zunächst gesagt werden, dass es nicht das Beckenbodentraining an sich gibt. Trainingsmaßnahmen zur Stärkung der Beckenbodenmuskulatur sind bei Beckenbodenschwäche oder einer Verschluss-Schwäche der Harnröhre angezeigt. Durch Kräftigung der Beckenbodenmuskeln können die Organe Scheide, Harnröhre und Blase besser in ihrer Verankerung gestützt werden und damit ihre normale Funktion ausüben. Dies bedarf aber der Fähigkeit, den Beckenboden auch willkürlich anspannen zu können. Dies kann durch eine Palpation des Muskels durch den Arzt oder ggf. auch Physiotherapeuten geprüft werden. Wer den Beckenbodenmuskel nicht willkürlich anspannen kann, der profitiert auch nicht von allgemeinen Übungen auf der Matte oder nach Broschüren Anleitung und benötigt eine spezielle Anleitung unter Nutzung einer Elektrostimulation.

Die Reizblase hat ihre Ursache nicht in einer Gewebeschwäche, sondern in einer Überaktivität des glatten Basenmuskels. Auch hier können physiotherapeutische Übungen helfen, allerdings keine Kräftigungsübungen sondern im Gegenteil die Erlernung von Entspannungsübungen zur Gegensteuerung der Muskelüberaktivität. Bestimmte Verhaltensweisen und Techniken helfen beim Abmildern eines starken Harndranges und des rechtzeitigen Erreichens der Toilette ohne Urinverlust. Auch die Anwendung eines niederfrequenten Stromes durch Einlage einer kleinen Elektrode kann die Überaktivität des Blasenmuskels wirksam abschwächen.

Beckenbodentraining kann also auch bei Reizblase helfen, hier sind aber nicht einfache Kneif- und Kräftigungsübungen gemeint, sondern Entspannungstechniken oder niederfrequente Stromanwendungen.

2017-12-13T16:31:05+00:00 13. Dezember 2017|

Über den Autor:

PD Dr. Gert Naumann
Herr PD Dr. G. Naumann ist Chefarzt des Fachbereichs Frauenheilkunde und Geburtshilfe im HELIOS Klinikum Erfurt und Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen.