Wie behandelt man eine neurogene Harninkontinenz (bei Schädigungen des Nervensystems wie Parkinson, MS, Schlaganfall, Demenz)? Sind Anticholinergika dann nicht schädlich?

Bei einer „neurologisch bedingten Harninkontinenz“ („neurogene Harninkontinenz“ in der Fachsprache) steht die Behandlung der neurologischen Grunderkrankung zunächst im Vordergrund. Die Erfahrung lehrt aber, dass sich häufig gerade Blasen- und Mastdarmstörungen nur ungenügend zurückbilden.

Hier muss dann mit Medikamenten „nachgeholfen“ werden. Wenn bei einem Schlaganfall eine regelrechte Narbe im Gehirn zurückbleibt oder sich bei der Multiplen Sklerose „Demyelinisierungsherde“ im Gehirn nicht komplett zurückbilden, kann – je nach Funktionsstörungen des Harntraktes an der Blase angesetzt werden:

  • Ist die Blase ungenügend gehemmt oder „autonom“, können Anticholinergika sie dämpfen;
  • ist die Blase inaktiv oder „aton“ gibt es Medikamente aus der Reihe der Parasympathomimetika, die sie anspornen.

Eine verstellte nervale Steuerung wird damit wieder gerichtet. Von allen Anticholinergika zur Behandlung einer Blasenüberaktivität besitzt Trospiumchlorid als einzige Substanz den Vorteil, nicht nennenswert im Gehirn anzufluten, eine Beeinflussung des Gehirns selbst ist damit im Gegensatz zu allen anderen Anticholinergika ausgeschlossen.

2017-07-26T16:37:21+00:00 26. Juli 2017|

Über den Autor:

PD Dr. Andreas Wiedemann
Herr PD Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.