Anticholinergika – Angst vor Nebenwirkungen – Frage von Kelly

Im August 2017 hatte ich erstmals das Problem des Harndranges, also ca. 8-10 Mal tagsüber und bis zu 4 x Nachts Harndrang. Medikation lt. Urologe: 1 x morgens Betmiga 25 mg , 1 x mittags Vesicare 5 mg. Wie lange darf/kann bzw. muss man diese Medis einnehmen? Bei Vesicare ist als Nebenwirkung erhöhter Augeninnendruck angeführt, das beunruhigt mich sehr, da ich höhergradig kurzsichtig bin (7 Dio.); sowohl Urologe als auch Allgemeinmed. haben gemeint, ich soll halt den Augeninnendruck messen lassen, aber ich möchte ja schon vorher vermeiden, dass diese Nebenwirkung überhaupt auftritt – gibt es hier eine Alternative ? Außerdem sind die Beschwerden mind. 1 x in der Woche (Tag+ Nacht) vorhanden – an den restlichen Tagen relativ normal – das verstehe ich auch nicht, gibt es eine Alternative zu Anticholinergika? MfG

Antwort von PD Dr. Wiedemann:

Liebe Kelly,

die Sorge um den Augeninnendruck ist unbegründet – sogar bei Patienten mit erhöhtem Augeninnendruck steigt dieser unter Therapie zumeist nicht an. Kurzsichtigkeit ist hier kein Problem. Die Therapie mit Anticholinergika ist eine Dauertherapie – wie beim erhöhten Blutdruck müssen die Tabletten regelmäßig genommen werden, eine „Bedarfsmedikation“ bei hohem Blutdruck ist nicht sinnvoll. Insgesamt haben sich Anticholinergika in der Therapie von Reizblasenbeschwerden sehr bewährt. Als Alternativen stehen Mirabegron (Tablette, macht erhöhten Blutdruck) und Botox (muss in die Blase injiziert werden) zur Verfügung. Standardtherapie ist jedoch die mit Anticholinergika.

Mit freundlichen Grüßen
Priv.-Doz. Dr. med. Andreas Wiedemann, Chefarzt der Urologischen Klinik, Ev. Krankenhaus Witten gGmbH

2017-12-21T21:20:46+00:00 21. Dezember 2017|

Über den Autor:

Prof. Dr. Andreas Wiedemann
Herr Prof. Dr. A. Wiedemann ist Chefarzt der Klinik für Urologie des evangelischen Krankenhauses Witten, Autor zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und gefragter Referent.